Full text : Wirtschaft als Leben

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.Freiheit  vom  Worte“

Gleichnis  gesprochen:  Über  die  gleiche  „Schiene“  des  Wortes  rollen
verschiedene  Züge,  je  nach  der  Verkehrslage,  dem  Gedanken  verlauf.
Nicht  viel  anders  als  die  Empiriker  halten  es  aber  selbst  die  Theoretiker,
gleich  zwei  Zeilen  hinter  ihrer  „Definition“,  und  tun  gut  daran.  Jedenfalls, ­
  denkt  man  sich  einmal  die  ganze  Theorie  als  „Güterlehre“  weg,
es  wäre  also  jenes  Bild  aus  eitel  Hilfslinien,  an  dem  man  nun  schon
ein  Jahrhundert  zirkelt,  einfach  ausgelöscht  —  die  Empirie  unserer
Wissenschaft,  ihre  Tatsachenforschung,  würde  gar  nichts  merken  1  Nach
wie  vor  würde  sich  jeder  Empiriker,  auf  Grund  der  Gemeinen  Erfahrung ­
  einerseits,  seiner  empirischen  Einsicht  andererseits,  für  seinen
Hausbedarf  an  Theorie  selber  eindecken.  Um  in  dieser  Ausmalung  noch
einen  kecken  Schritt  weiter  zu  gehen:  unserer  Wissenschaft  wäre  beileibe ­
  nicht  der  Kopf  abgeschnitten,  bloß  eine  Art  knolliger  Wucherung,
die  eigentlich  nur  ein  „Reizzustand“  hervorgerufen  hat,  nämlich  die
Reibung  mit  den  Aussprüchen  der  Praxis  des  Lebens  1
Dahinzu  in  der  Tat  muß  man  auch  die  herkömmliche  Theorie
ernst  nehmen.  Hier  liegt  wirklich  eine  Leistung  von  ihr  vor.  Sie
alimentiert  die  Kunstlehren,  die  ihre  theoretische  Untergründung  von
unserer  Wissenschaft  fordern.  Zwar  kommt  sie,  wie  sie  einmal  ist,
auch  diesem  Dienste  nicht  vollwertig  nach;  sie  bietet  schlechte  Hausmannskost. ­
  Immerhin  war  es  anzudeuten,  wie  zu  technischer  Verwertung ­
  gerade  die  „güterseligen“  Theoreme  brauchbar,  fallweise  sogar ­
  unentbehrlich  wären.  Jedenfalls  ist  es  diese  einseitige  Leistung,
die  Kunstlehren  theoretisch  zu  fundamentieren,  worauf  die  ganze
„Güterlehre“  zugeschnitten  erscheint.  Daher  ihr  „Kommerzialismus“,
daher  ihr  Parteinehmen  für  das  Größenspiel  der  Wirtschaft,  daher  auch
ihr  Hang  nach  allem,  was  einem  „Gesetze“  von  weitem  ähnlich  sieht;
und  wenn  es  allemal  auch  nur  die  „idealtypisch“  bündige  Darlegung
eines  Zusammenhangs  besagt,  den  man  sich  jederzeit  an  den  fünf
Fingern  abhaspeln  kann.  Hier  spukt  übrigens  die  kurzsichtige  Meinung,
alle  technische  Erwägung  sei  hinsichtlich  ihrer  „ratio“  auf  einen  allgemeinen ­
  Satz  angewiesen.
An  diesem  ganz  einseitigen  Zuschnitt  unserer  Theorie  verrät  sich
deutlich  auch  ihre  Unreife.  Ihrer  unleugbaren  Schwäche,  in  Sachen
der  Erkenntnis  sowohl  als  des  inneren  Wissenschaftsbetriebes,  bleibt  sie
sich  instinktiv  bewußt.  Dieses  Gefühl  schlägt  nun  in  den  kleinlichen
Ehrgeiz  um,  zum  mindesten  der  Praxis  etwas  zu  bieten;  man  sucht
also  ein  für  das  praktische  Handeln  sofort  verwertbares  Wissen  zu  produzieren. ­
  Das  Leben  bestürmt  ja  gleich  schon  die  unentwickelte
Theorie  mit  seinen  Fragestellungen.  Das  macht  die  Theorie  einerseits
altklug;  auf  der  anderen  Seite  fühlt  sie  sich  ihrer  selbst  unsicher.  Da ­
            
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