Full text: Wirtschaft als Leben

Ausklänge, XXII. 
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jedoch jeder Zweifel sinnlos, ob man von „Wirtschaft“ reden soll. Denn 
nicht nur ist es geradeaus die Lehre „von der Wirtschaft“: hier steuert 
ausdrücklich das Wort selber, ob nun offen oder verstohlen, mit seinen 
geistigen Kräften wesentlich dazu bei, die Eigenart des Tatbestandes 
zu ermitteln. Nun bleibt zwar gerade dieses auf dem anderen Wege, 
beim Ausgang von Problemen statt von Worten, grundsätzlich ver 
mieden; allein, dem Tatbestand selber, wie gesagt, kann man schließ 
lich den Namen „Wirtschaft“ doch nicht vorenthalten. In diesem 
Punkte ändert sich allerdings nichts. „Wirtschaft“, übrigens, ist dann 
im näheren Sinn des „Wirtschaftslebens“ zu verstehen, nicht also im 
Sinne einer „Wirtschaftsweise“ — gleich „Erwerbswirtschaft“ — oder 
gar eines „Wirtschaftsgebildes“; kürzend spricht man eben in allen 
drei Fällen von „Wirtschaft“. 
Gegen diese Nennung ist auch von keinem Standpunkt aus etwas 
einzuwenden. Der Kampf gegen das Wort gilt ja nicht den Worten 
als solchen. Er ist beileibe keine Sache der bloßen Terminologie, 
sondern der letzten Erkenntniskritik. Worauf er es einziglich münzt, 
ist die ungebührliche Rolle des Wortes beim Erkennen. Es ist eben 
für die Dauer unerträglich, daß ein erfahrungswissenschaftliches Denken 
von blind hinzunehmenden Worten seine zeitlich ersten und zugleich 
logisch letzten Ausrichtungen erleiden soll. Dem so verstandenen 
Herrschtum der Worte über das theoretische Denken, dem soll der 
Garaus gemacht werden. Dagegen steht nichts im Wege, daß man 
selbst diese Worte, sobald ihnen nur einmal die Giftzähne ausge 
brochen sind, im Namensdienst so verwendet, wie es Sprachgebrauch 
und Zweckmäßigkeit erheischen. Es ist richtig, einst habe ich mich 
auch dagegen gesträubt; diese Worte seien „zuschanden gedacht“, sie 
taugten nichts mehr für den Dienst eines Namens. Aber davon bin 
ich längst zurückgekommen, ebenso von der Skepsis gegenüber dem 
„Wirtschaft“ nennbaren Tatbestand selber. Vollzieht man aber diese 
Nennung, dann allerdings scheint dem Äußeren nach alles beim alten 
zu bleiben. Die mehrerwähnte Formel für diesen Tatbestand sieht 
einer „Definition der Wirtschaft“ gleich, wie ein Ei dem anderen. Der 
ganze Gedankengang, der zu ihr führt, bewegt sich also scheinbar im 
Zuge der banalen Frage: „Was ist Wirtschaft?“ Worin beruht nun 
trotzdem der grundwesentliche Unterschied?
	        
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