Full text : Wirtschaft als Leben

Einleitung.

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Unter  der  Herrschaft  des  Wortes  entartet  alle
Theorie  zu  wirtschaftspolitischer  Stellungnahme.  Sie
verfallt  der  strengen  Bindung  an  den  „Standpunkt“!  Mit  voller
Absicht  wähle  ich  den  Ausdruck  „wirtschaftspolitischer  Standpunkt“,
um  nicht  dem  lächerlichen  Schwulst  des  Alltags  zu  folgen,  der  hier
sofort  von  „Weltanschauungssache“  reden  ließe.  Gemeint  aber  ist  es
so,  daß  in  der  nationalökonomischen  Theorie  Vorurteile  nicht  erst
dort  ihr  Unwesen  treiben,  wo  ausdrückliche  „Werturteile“  gefällt  werden,
Urteile  nämlich,  die  über  das  Gesinnungsrichtige,  namentlich
hinsichtlich  dessen  ergehen,  was  „sein  soll“:  nein,  schon  die  Theoreme ­
  selber,  und  gleich  die  grundlegendsten,  besagen  eitel  Stellungnahme ­
  !  Der  Zwang  zu  einer  innerlichen,  ungeprüften,  unerschütterlichen ­
  Einstellung  lastet  auf  ihnen.  So  wurzelt  die  Theorie,  auf  deren
Grundlage  man  überhaupt  erst  urteilt,  selber  schon  im  logisch  Verantwortungslosen ­
  der  Gesinnung;  gleichviel,  was  wieder  zu  dieser
verwoben  ist,  Seelenstimmung,  Interessenlage,  oder  was  immer,  bestenfalls ­
  auch  so  etwas  wie  Lebensanschauung  überhaupt.  Kurz,  alle
nationalökonomische  Theorie  der  hergebrachten  Art  ist  gleichsam
schon  in  der  Wolle  gesinnungstreu  gefärbt!
Logisch  genommen,  führt  zwar  selbst  das  grundlegendste  Theorem
wieder  auf  Urteile  zurück,  im  Sinne  seiner  Gestaltung  als  Begriff.  So
müßte  man  zugeben,  daß  hier  abermals  „Werturteile“,  Urteile  über
das  Gesinnungsrichtige  in  Frage  kämen;  freilich  unausgesprochen,  nur
mittelbar  damit  gefällt,  daß  man  das  Theorem  so  und  nicht  anders
gestaltet.  Wie  aber  in  das  Gestalten  der  Theoreme  immer  schon  Gesinnung ­
  hineinredet,  wird  sich  auch  anders  und  greifbarer  erläutern
lassen:  durch  die  unbefugte  Rolle,  die  beim  Vollzüge  des
Erkennens  das  Wort  spielt!  Wo  eben  nicht  das  Problem  das
erkennende  Denken  bewegt,  das  aus  dem  Zusammenhang  mit  seinesgleichen ­
  klar  entwickelte  Problem,  da  drängt  sich  das  problemvertretende, ­
  das  „herrschende“  Wort  ein,  und  entfaltet  insgeheim  die
geistigen  Kräfte,  die  ihm  für  den  Bereich  der  fachlichen  Theorie  so
eigentümlich  zugewachsen  sind.  Daraufhin  rollt  sich  das  Problem  nur
so  weit  auf,  daß  der  Theoretiker  die  Eingebung  vom  Worte  her,  und
Uber  das  Wort  hinweg,  gleich  als  Lösung  empfindet.  Die  transverbale
Intuition,  um  es  so  zu  nennen,  entscheidet  dann  an  letzter  Stelle  über
di e  Erkenntnis;  und  sie  ist  es,  die  alle  Erkenntnis  dem  logisch  Verantwortungslosen ­
  der  Gesinnung  ausliefert.  So  wird  das  Wort  zum
Ku Ppler  dafür,  daß  sich  unser  Denken  unserem  Wollen  und  Fühlen
schlechterdings  preisgibt.
Und  die  Folge  davon?  Die  ganze  nationalökonomische  Theorie,
            
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