Abschnitt III.
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stufigen Gebilden hin und her, z. B. als die „Geschäftsfreundschaft“
der Unternehmung zu in- und ausländischen Unternehmungen. Auch
noch darin bekundet sich das Gebilde als ein Eigenleben. Als In
gebilde aber hat es auch teil an allem Leben, das mit seinen Um
gebilden da ist. Hier greift dann der lebenerhaltende Umtrieb des Ge
schehens im Gebilde gleichsam schleifenförmig dorthinzu aus, und so
wird schon von seinen Umgebilden her dem Ingebilde zum guten Teile
sein Schicksal und Gedeihen, kraft seiner Eingebundenheit. Anders
wieder lebt das Umgebilde gleichsam aus seinen Ingebilden heraus.
Im Zuge aller dieser Verwicklungen baut sich das menschliche Zu
sammenleben auf als das Wechselspiel von Leben zu Leben Gebilde
und Personen. In ihm steckt grundsätzlich die ganze Schicksalswelt
und in dieser wieder die ganze Wirklichkeit, sozusagen mit Sonne,
Mond und Sternen. Alle diese angeblichen „Gebiete“ der Wirklichkeit,
die man nach dem Geheiß der Schlüsselworte „Gesellschaft , „Wirt
schaft“, „Staat“, „Religion“, „Kunst“ und so fort — vor sich wähnt, sind
ja nur in die Wirklichkeit hineingesehen. Jedesmal wird dann einfach
die Wirklichkeit unter einem verschiedenen Gesichtswinkel beschaut
und so immer wieder eine andere Totalität aus ihr herausgesehen.
Was aber als einseitige Beschauungsweise nur eine Sache unseres
Denkens ist, das werfen wir gleichsam in die Wirklichkeit zurück, und
so glauben wir, ihre „Gebiete“ zu sehen. Das naive Denken ergeht
sich dann jeweilig in der Suche nach den „Merkmalen“, die dem In
halt dieser Gebiete eigen wären; ganz so wird beispielsweise nach den
„Merkmalen der wirtschaftlichen Handlungen“ gesucht, im Glauben,
daß sich daraus das Wirtschaftsleben atomistisch aufbaue. Ebenso
sollen etwa die „Beziehungen von Mensch zu Mensch“ die „Gesellschaft“
zusammensetzen. Immer nimmt man diese „Gebiete“, begriffsrealistisch,
als Ausschnitte aus der Wirklichkeit ernst. Tatsächlich aber steht die
Schicksalswelt selber, und einfach dann als menschliches Zusammen
leben vor uns, sobald uns eine bestimmte und einseitige Beschauungs
weise jene Gebilde vor Augen rückt, sie und ihr Wechselspiel unter
einander und mit dem persönlichen Leben, dann nur umspult und ge
tragen von dem zeitgebärenden Strom erlebten Geschehens. Denn
ebensogut, wie als menschliches Zusammenleben, können wir ei an
d «er Beschauung die ganze Schicksalswelt als jenen Strom ewig sich
verjüngenden Geschehens in Einheit sehen, als „Geschichte ; wobei
dann wieder Kreisschluß, Zusammenspiel und Einpassung in Sachen
de r Gebilde in den Hintergrund treten, ja die meisten Gebilde selber
z ü einer bloß determinativen Rolle herabsinken.