Full text : Wirtschaft als Leben

Abschnitt  III.

7  09
stufigen  Gebilden  hin  und  her,  z.  B.  als  die  „Geschäftsfreundschaft“
der  Unternehmung  zu  in-  und  ausländischen  Unternehmungen.  Auch
noch  darin  bekundet  sich  das  Gebilde  als  ein  Eigenleben.  Als  Ingebilde ­
  aber  hat  es  auch  teil  an  allem  Leben,  das  mit  seinen  Umgebilden ­
  da  ist.  Hier  greift  dann  der  lebenerhaltende  Umtrieb  des  Geschehens ­
  im  Gebilde  gleichsam  schleifenförmig  dorthinzu  aus,  und  so
wird  schon  von  seinen  Umgebilden  her  dem  Ingebilde  zum  guten  Teile
sein  Schicksal  und  Gedeihen,  kraft  seiner  Eingebundenheit.  Anders
wieder  lebt  das  Umgebilde  gleichsam  aus  seinen  Ingebilden  heraus.
Im  Zuge  aller  dieser  Verwicklungen  baut  sich  das  menschliche  Zusammenleben ­
  auf  als  das  Wechselspiel  von  Leben  zu  Leben  Gebilde
und  Personen.  In  ihm  steckt  grundsätzlich  die  ganze  Schicksalswelt
und  in  dieser  wieder  die  ganze  Wirklichkeit,  sozusagen  mit  Sonne,
Mond  und  Sternen.  Alle  diese  angeblichen  „Gebiete“  der  Wirklichkeit,
die  man  nach  dem  Geheiß  der  Schlüsselworte  „Gesellschaft  ,  „Wirtschaft“, ­
  „Staat“,  „Religion“,  „Kunst“  und  so  fort  —  vor  sich  wähnt,  sind
ja  nur  in  die  Wirklichkeit  hineingesehen.  Jedesmal  wird  dann  einfach
die  Wirklichkeit  unter  einem  verschiedenen  Gesichtswinkel  beschaut
und  so  immer  wieder  eine  andere  Totalität  aus  ihr  herausgesehen.
Was  aber  als  einseitige  Beschauungsweise  nur  eine  Sache  unseres
Denkens  ist,  das  werfen  wir  gleichsam  in  die  Wirklichkeit  zurück,  und
so  glauben  wir,  ihre  „Gebiete“  zu  sehen.  Das  naive  Denken  ergeht
sich  dann  jeweilig  in  der  Suche  nach  den  „Merkmalen“,  die  dem  Inhalt ­
  dieser  Gebiete  eigen  wären;  ganz  so  wird  beispielsweise  nach  den
„Merkmalen  der  wirtschaftlichen  Handlungen“  gesucht,  im  Glauben,
daß  sich  daraus  das  Wirtschaftsleben  atomistisch  aufbaue.  Ebenso
sollen  etwa  die  „Beziehungen  von  Mensch  zu  Mensch“  die  „Gesellschaft“
zusammensetzen.  Immer  nimmt  man  diese  „Gebiete“,  begriffsrealistisch,
als  Ausschnitte  aus  der  Wirklichkeit  ernst.  Tatsächlich  aber  steht  die
Schicksalswelt  selber,  und  einfach  dann  als  menschliches  Zusammenleben ­
  vor  uns,  sobald  uns  eine  bestimmte  und  einseitige  Beschauungsweise ­
  jene  Gebilde  vor  Augen  rückt,  sie  und  ihr  Wechselspiel  untereinander ­
  und  mit  dem  persönlichen  Leben,  dann  nur  umspult  und  getragen ­
  von  dem  zeitgebärenden  Strom  erlebten  Geschehens.  Denn
ebensogut,  wie  als  menschliches  Zusammenleben,  können  wir  ei  an
d «er  Beschauung  die  ganze  Schicksalswelt  als  jenen  Strom  ewig  sich
verjüngenden  Geschehens  in  Einheit  sehen,  als  „Geschichte  ;  wobei
dann  wieder  Kreisschluß,  Zusammenspiel  und  Einpassung  in  Sachen
de r  Gebilde  in  den  Hintergrund  treten,  ja  die  meisten  Gebilde  selber
z ü  einer  bloß  determinativen  Rolle  herabsinken.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.