Full text: Wirtschaft als Leben

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Abschnitt IV. 
Sinngehalt sprachlich bloß mit den Worten Bedarf und Deckung wieder 
geben, einfach aus Zwang zu richtigem Sprechen. Die vom Wollen 
selbst genährte Forderung, über die Bedingungen des Könnens Ver 
fügung zu erlangen, läßt sich sprachrichtig nur als „Bedarf“ aussagen, 
ihre Erfüllung, der Eintritt also der Verfügbarkeit, nur als „Deckung 
des Bedarfs“. Das Gegenstück liefert die technisch-pragmatische 
Erwägung, gemäß Zweck und Mittel. Technisch-pragmatisch dreht es 
sich um die Brauchbarkeit der Objekte des Handelns, ökonomisch 
pragmatisch um ihre Verfügbarkeit; und immer dies entscheidet 1 
Übrigens dienen diese beiden Begriffspaare, Zweck und Mittel einer 
seits, Bedarf und Deckung anderseits, als einseitig vertretende Denk 
formen der tiefsten, intellektuell befriedigendsten aller Kausalitäten, der 
schicksalswissenschaftlichen Kausalität. Wie diese zwischen „Domi- 
nation“ und „Determination“ des erlebten Geschehens in reichster 
Entfaltung hin- und herwebt, auch das muß ich ganz übergehen. Auf 
das Gegenüber von Bedarf und Deckung führen unzählige Begriffs 
paare unseres fachlichen Denkens zurück: Konsument und Pro 
duzent, Nachfrage und Angebot, Schuldner und Gläubiger usw. 
Wenn wir uns daneben alle, ausnahmslos, mit Vorliebe der Denkform 
„Zweck und Mittel“ bedienen, um die Zusammenhänge des erlebten 
Lebens zu entwirren, so ist dies verzeihlich, wir denken dann einfach 
in der Weise des praktisch Handelnden als technisch Erwägenden 
lässig weiter. Unverzeihlich aber ist es, wenn man diese bloße und 
höchst minderwertige Denkform der tiefsten aller Kausalitäten, wenn 
man sie als sogenannte „Teleologie“ in Gegensatz zu Kausalität über 
haupt stellt und daraus nun das Schibboleth der Schicksalswelt macht. 
Das ist ein starkes Stück. Darüber geht nur mehr, daß man die 
arme Schicksalswelt als „Welt der Werte“ zu kennzeichnen sucht, sie 
also mit Haut und Haaren ausliefert diesem Trugwort, dem Brandmal 
alles undisziplinierten Denkens. Bei uns in der Nationalökonomie hat 
der Unfug der Wertelei begonnen, wir haben die ganze moderne 
Philosophie damit angesteckt, wir beginnen auch reinen Tisch damit 
zu machen, die Einen empirisch, der Andere theoretisch. Aber dies 
uur nebenbei. 
Wie verflechten sich nun jene beiden Grundvorstellungen zu 
unserem Grundproblem? Hier müßte der erkenntniskritische Ge 
dankengang flüchtig skizziert werden. Zunächst finden sich alle Sozial- 
"üssenschaften darin zusammen, daß sie das Problem der An 
dauer lösen. Sie treten an die Schicksalswelt einträchtig mit der 
Frage heran: wie gestaltet sich menschliches Zusammenleben, im Sinne 
des Wechselspiels zwischen wirkenden Einheiten von gestalthaft ver
	        
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