Full text: Wirtschaft als Leben

Solche Theorie weiß durch den sicheren Ausgang vom Grund 
problem etwas zu leisten, was bei der alten, naiven Einstellung un 
möglich bleibt. Denn es trägt hier Theorie noch die Fesseln des All 
tagsdenkens, aber dieser Alltag ist jener der Wirtschaft von heute und 
um uns; daher alles leistungstheoretische Denken, ob nun Karl Menger 
oder Karl Marx oder wer immer es übe, gleichsam in der Wolle 
„erwerbswirtschaftlich“ gefärbt bleibt. Nun aber ist die Bahn frei zu 
einer systematischen Besinnung darauf, was als das wahrhaft Un 
wandelbare in aller Wirtschaft verharrt, sie möge welcher Formen 
immer sein, „kapitalistisch“, „munizipalistisch“, „oikistisch“, „sozia 
listisch“ usf., jedesmal wieder in Wechselbedingnis zu den sonstigen 
Formen des Zusammenlebens der betreffenden Zeit und des 
betreffenden Volkes, Formen der Gesellung und der Gemeinschaft. 
Da gilt es also gleichsam die „Idee“ aller Wirtschaft zu gewinnen, als 
das, was sich nur immer wieder anders auslebt, „inkarniert“, in wirk 
licher, in „Gewordener“ Wirtschaft. Geworden ist ja alle wirk 
liche Wirtschaft, ihren Formen nach, und hört auch nie auf, ein 
Werdendes zu bleiben. Wie verläuft aber diese Besinnung systema 
tisch ? Man denkt vom Grundproblem aus im geschlossenen Zusammen 
hang, indem man der Schnur nach die immer noch grundlegenden 
Probleme herauswickelt und dann ihrer Lösung nachgeht, stets auf der 
Spur des vernunftmäßig Selbstverständlichen; es kommen dabei tat 
sächlich nur Dinge von unmittelbarster Evidenz heraus, wie es bei 
einer Erkenntnis des Bekannten im Unterbau der Theorie gar nicht 
anders sein kann. Hierbei aber, zweitens, sieht man bewußt ab, 
das heißt, man „abstrahiert“ also von allen Formen des Zusammen 
lebens ; weil diese sonst das Bild beirren müßten, wie sich Zusammen 
leben ausdrücklich im Geiste dauernden Einklangs von Bedarf und 
Deckung gestaltet. Damit spürt man den unwandelbaren Grundgehalt 
aller Wirtschaft auf. Er umfaßt alles, was aus Zwang der Vernunft 
immer zutreffen muß, wo und wann immer Wirtschaft wirklich oder 
selbst nur als wirklich denkbar wäre. Dieses bloße Vernunftgerippe
	        
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