Full text : Wirtschaft als Leben

Abschnitt  V.

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jeglicher  Wirtschaft  ist  offenbar  ein  wahrhaft  zeitlos  Gültiges.  Ich
bringe  es  unter  das  Schlagwort  der  „Ewigen  Wirtschaft“.
Das  hat  nichts  zu  tun  mit  „abnehmend  isolierender  Abstraktion“
die  ja  in  Wahrheit  eine  zunehmend  fingierende  Abstraktion  ist,  eine
steigende  Häufung  von  Unterstellungen,  wobei  man  gleich  von  der
ersten  Stufe  an  der  Wirklichkeit  ins  Gesicht  schlägt.  Schon  gar  nichts
zu  tun  hat  dies  mit  der  gewissen  „reinen  Ökonomie“  der  mathematisch
entarteten  Theorie.  Aber  auch  die  so  beliebte  Flucht  zu  Robinson  verhilft
  nur  zu  einem  trügerischen  Ersatz  dafür.  Der  gute  Robinson  ist
doch  wirklich  keine  aufrufbare  Instanz  gegen  das  menschliche  Zusammenleben. ­
  In  seiner  Vereinzelung  behauptet  er  sich  offenbar  nur
als  der  Erbe,  der  geistige  und  sachliche  Erbe  des  Zusammenlebens,
ist  einfach  ein  vom  Zusammenleben  abgesprengter  Splitter.  Er  spielt
die  zufällige  letzte  Eins  hinter  dem  Abbau  des  Zusammenlebens  —
wie  sich  dieser  im  Wege  von  Schiffahrt  und  Schiffbruch  vollzieht  —
nicht  aber  bedeutet  er  für  dessen  Aufbau  die  grundsätzliche  Einheit,
nichts  weniger  als  das  „Bauelement“  des  Zusammenlebens.  Was  man
auch  ihm  an  Wirtschaft  zugestehen  kann,  ist  eine  verkrüppelte,  eine
Karikatur  auf  Wirtschaft;  denn  hier  fallen  ganz  wesentliche  Inhalte
des  Tatbestandes  aus,  vor  dem  unsere  Wissenschaft  steht,  z.  B.  gleich
die  so  ausschlaggebenden  Verhältnisse  der  Verfügbarkeit.  Freilich  ist
auch  seine  Krüppelwirtschaft  als  eine  wirkliche  mindestens  unterstellt.
Aber  gerade  dies  erscheint  hier  bedeutsam.  Die  Robinsonade  besagt
doch  kein  Abstraktum,  erzielt  durch  Abstraktion  von  allen  Formen  des
Zusammenlebens,  sondern  plump  und  klar  ein  aus  dem  Zusammenleben
hinausgeworfenes  Konkretum  1  Das  ist  aber  doch  sehr  zweierlei,  daher
man  nicht  schon  aus  Robinson  die  „Idee“  der  Wirtschaft  entwickeln
darf.  Lassen  wir  also  Robinson  lieber  dort,  von  wo  unsere  Theorie
endlich  heraus  muß  —  in  der  Kinderstube.
Was  demnach  als  erste  Neuerung  vernunftmäßig  zu  erarbeiten  ist,
hat  den  Sinn  einer  reinen  „Theorie  vor  den  Tatsachen“.  Verstandesmäßig ­
  baut  sie  sich  auf  der  Gemeinen  Erfahrung  auf,  das  ist
das  Jedermannswissen  von  der  Wirtschaft.  Ohne  eine  solche  Grundlage ­
  ließen  sich  ja  die  Zusammenhänge  aus  Zwang  der  Vernunft  überhaupt ­
  nicht  aufrollen.  Auf  der  Grundlage  dieser  Gemeinen  Erfahrung
ruhen  aber  auch  ausnahmslos  die  theoretischen  Systeme  der  Güterlehre, ­
  bewußt  oder  unbewußt.  Jedoch,  es  wollen  sich  diese  Systeme
auch  die  Ergebnisse  der  Tatsachenforschung  nicht  ganz  entgehen
lassen;  da  genügt  ihnen  auch  jene  „Lehre  von  den  Wirtschaftsstufen“
nicht  immer,  die  man  so  häufig  dem  unvermeidlichen  „Grundbegriffskapitel“ ­
  vor-  oder  nachschiebt.  So  stopft  man  denn  im  Fortgang  der
            
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