Full text : Wirtschaft als Leben

44

Der  Wertgedanke“,

verkehren.  Ähnlich  ist  es  in  der  Welt  der  Gedanken,  sobald  es  sich
um  eine  Behauptung  jener  Art  handelt.  Es  genügt,  eine  solche  Behauptung ­
  ein  erstes  Mal  auszusprechen,  und  unser  Denken  müßte  sich
Gewalt  antun,  wollte  es  diese  Behauptung  nicht  sofort  zu  einer  Frage
Umstürzen  sehen.  So  kippt  auch  die  Behauptung,  die  mit  dem  Wertgedanken ­
  vorliegt,  ohne  weiteres  zu  der  Frage  um:
Ist  der  Wissenschaft  unter  „Wert“  ein  Singularobjekt
vorgesetztf
Wir  stehen  damit,  durch  den  Fortlauf  der  Untersuchung  zwingend
und  unausweichlich  daraufgeführt,  vor  einer  Frage,  die  sich  einer  außerordentlichen ­
  Tragweite  rühmen  darf;  die  aber  zugleich  nur  zu  sehr
allem  herkömmlichen  Denken  widerstreitet,  um  nicht  für  sich  selber
noch  der  Erläuterung  zu  bedürfen.
Es  setzt  diese  Frage  genau  dasjenige  in  Zweifel,  was  im  Wertgedanken ­
  als  Behauptung  auftritt:  Das  Dasein  eines  Gegenstandes, ­
  der  so  zu  denken  wäre,  daß  er  im  ursprünglichen  Sinne
—  das  will  sagen,  ohne  Hinzutun  der  Wissenschaft  —  unter  dem
Sprachzeichen  „Wert“  als  der  Eine,  für  jedermann  nämliche  und  selbe
seiner  wissenschaftlichen  Erledigung  harrt.
Für  den  Zweck  eines  erläuternden  Vergleiches  nehmen  wir  eine
andere  Frage  in  Betracht.  Eine  Frage,  die  in  der  Wertforschung  eine
wichtige  Rolle  spielt,  und  die  sich  eben  nur  im  Geiste  der  herkömmlichen ­
  Anschauung  mit  jener  Unbefangenheit  aufwerfen  läßt,  mit  der
unter  der  Herrschaft  dieser  Anschauung  z.  B.  auch  die  Ausdrücke
„Wertlehre“,  „Wertdoktrin“  usw.  in  Verwendung  kommen.  Die  Frage
nämlich:  „Was  ist  der  Wert?“
Wir  erkennen  leicht,  jene  erste  Frage  ist  mit  dieser  zweiten  so
wenig  eins,  daß  es  von  der  Antwort  auf  die  erstere  abhängt,  ob  die
letztere  überhaupt  aufzuwerfen  sei.  Erst  die  Bejahung  der  ersten  Frage
kann  den  Aufwurf  der  zweiten  rechtfertigen.  Denn  es  unterliegt  der
letzteren  der  Wertgedanke  als  eine  stille  Voraussetzung.
Diese  Abhängigkeit  der  einen  von  der  anderen  Frage  bleibt  aber
dem  herkömmlichen  Denken  unbewußt,  und  es  kann  derselben  somit
nicht  achten.  So  erklärt  sich  abermals  aus  der  Befangenheit  des  herkömmlichen ­
  Denkens  auch  die  naive  Unbefangenheit,  mit  welcher  die
Frage  „Was  ist  der  Wert?“  aufgeworfen  wird.  Ich  nenne  die  letztere
Frage  deshalb  die  Naive  Wertfrage  und  setze  ihr  jene  erste  Frage,
die  ihr  nach  dem  Geheiß  der  Kritik  vorzutreten  hat,  als  die
Kritische  Wertfrage  entgegen. 1 )

*)  Fr.  v.  Wies  er  bemerkt  im  Hinblicke  auf  die  Frage  „Was  ist  der  Wert“,  daß
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.