Full text : Wirtschaft als Leben

Abschnitt  IV.

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Man  könnte  ferner  leicht  der  Meinung  verfallen,  daß  sich  die
Kritische  Wertfrage  ihrem  Sinne  nach  auf  die  Frage  vereinfachen
ließe:  „Ist  der  Wert?“  Aber  auch  bei  dieser  Frage  bleibt  doch  dasjenige, ­
  worauf  sich  die  Kritische  Wertfrage  richtet,  ganz  außer  Zweifel:
Das  Dasein  eines  Gegenstandes,  wie  er  dem  Wertgedanken  gemäß  zu
denken  wärel  Diese  weitere  Frage  zielt  vielmehr  nur  ungefähr  dahin
ab,  ob  der  unter  „Wert“  —  unentwegt  als  der  Eine  —  zu  erledigende
Gegenstand  sich  bei  seiner  durchgeführtenErledigung  als  etwas
Tatsächliches,  oder  etwa  bloß  als  etwas  Gedachtes  herausstellt.  Auch
der  Antwort  auf  diese,  gleichwie  jener  auf  die  Naive  Wertfrage,  muß
daher  schon  ein  Erledigen  des  im  Sinne  des  Wertgedankens  zu
denkenden  Gegenstandes  vorausgehen.  Derart  sind  beide  Fragen
die  ich  der  Kritischen  Wertfrage  zur  Erläuterung  entgegenstelle
an  die  Wahrheit  der  Behauptung  im  Wertgedanken  für  ihren  Aufwurf
gebunden,  sind  beide  also  von  der  Antwort  auf  die  Kritische  Wertfrage ­
  abhängig,  bei  welcher  allein  diese  Behauptung  selber  zu  einer
Frage  umgestürzt  erscheint.
Die  Beantwortung  der  Kritischen  Wertfrage  ist  eben  so  weit  davon
entfernt,  ein  Erledigen  jenes  —  im  Sinne  des  Wertgedankens  zu
denkenden  —  Gegenstandes  in  sich  zu  schließen  oder  gar  vorauszusie

  in  einer  „unkritischen  Voraussetzung  aufgeworfen“  sei.  (S.  „Ursprung  und  Hauptgesetze ­
  des  w.  W.“,  S.  52.)  Allein  er  bezieht  sich  dabei  nur  auf  den  tatsächlichen  Umsland,^daß
  man  die  Frage  „Was  ist  der  Wert?“  von  der  Frage  „Was  bedeutet  das  Wort
er  nicht  gehörig  zu  trennen  weiß.  Die  „unkritische  Voraussetzung“  sieht  v.  Wies  er
UI '  Tn ^'  dem  Glauben  vorhanden,  die  Frage  „Was  ist  der  Wert?“  ohne  weiteres  auferfen
  zu  können,  während  er  es  kritischem  Vorgehen  gemäß  findet,  zuerst  die  Zweig
  eit  zu  beheben,  die  von  jenem  tatsächlichen  Umstand  der  häufigen  Vermengung
jener  beiden  Fragen  her  droht.
Wenn  hier  nun  die  Frage  „Was  ist  der  Wert?“  die  Naive  Wertfrage  genannt  wird,
^^  om mt  damit  allerdings  zum  Ausdruck,  daß  etwas  Unkritisches  dieser  Frage  anhaftet,
er  keineswegs  die  „unkritische  Voraussetzung“  im  Sinne  v.  Wiesers.  Denn  eine
der  Frage  „Was  ist  der  Wert?“  mit  der  Frage  „Was  bedeutet  das  Wort
ert?  kann  im  obigen  Zusammenhänge  schon  deshalb  nicht  eintreten,  weil  ich  die
erstere,  die  Naive  Wertfrage  ausdrücklich  mit  der  Betonung  zur  Sprache  bringe,  daß
ihr  der  Wertgedanke  als  eine  stille  Voraussetzung  unterliege,  was  doch  bei  der  Frage
„Was  bedeutet  das  Wort  Wert?“  offenbar  nicht  der  Fall  ist.
Das  Unkritische  der  deshalb  von  uns  so  genannten  Naiven  Wertfrage  beruht  eben
gerade  in  der  unkritischen  Duldung,  in  dem  unkritischen  Nichtwissen  der  stillen  Voraussetzung, ­
  welche  dieser  Frage  unterliegt,  des  Wertgedankens  nämlich.  Diese  Einsicht
aber  mußte  v.  Wies  er  naturgemäß  ebenso  verborgen  bleiben,  wie  jedem  anderen
Theoretiker,  der  im  Geiste  der  herkömmlichen  Anschauung  für  die  Wertforschung
tätig  wird.
            
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