Full text : Wirtschaft als Leben

Abschnitt  IV.

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Wertgedanke  ließe  sich  dann  nicht  als  wahr  erweisen,  aber  auch  nicht
widerlegen.
Da  liegt  aber  die  Vermutung  nahe,  daß  wir  nebenbei  noch  zu
einer  sehr  entscheidenden  Einsicht  kämen.  Zur  Einsicht,  daß  die  Wertforschung ­
  ganz  recht  daran  tut,  —  nur  sollte  es  auch  dann  gewiß  nicht
unbewußt  geschehen  1  —  den  Wertgedanken  als  wahr  zu  behandeln,  obwohl ­
  er  sich  weder  als  wahr  noch  als  falsch  erweisen  läßt.  Nur  unter
dieser  Bedingung  nämlich  —  so  könnte  uns  jene  Einsicht  lehren  —
vermag  unsere  Wissenschaft  ihren  Erkenntniszweck  zu  erfüllen,  indem
es  dadurch  erst  möglich  würde,  gewisse  Dinge  einer  wissenschaftlichen
Behandlung  zu  unterwerfen.
Unter  solchen  Umständen  wäre  dann  zu  erkennen,  daß  der  Wertgedanke ­
  nicht  als  etwas  schlechthin  Wahres  der  Wertforschung  unterliege; ­
  aber  die  letztere  würde  sich  im  Wertgedanken  ebensowenig  auf
einer  bloßen  Fiktion  aufbauen.  Wir  müßten  in  diesem  Falle  vielmehr
sagen:  Das  nationalökonomische  Denken  duldet  den  Wertgedanken  als
eine  seiner  Grundlagen,  und  im  besonderen  nimmt  die  Wertforschung
von  ihm  ihren  Ausgang,  indem  dabei  dem  Wertgedanken  zugestanden
würde,  daß  er  eine  nicht  zu  umgehende  Annahme  sei,  die
sich  nicht  beweisen  und  nicht  widerlegen  läßt,  sagen  wir  also  ein
Postulat.
Könnte  uns  die  Kritische  Wertfrage  auch  nur  diese  Einsicht  vermitteln, ­
  sie  wäre  keineswegs  nutzlos  aufgeworfen.  Denn  immer  ist  der
Vorteil  in  Anschlag  zu  bringen,  den  ein  Forschen  genießt,  das  sich  über
sich  selber  klar  geworden  ist,  einem  solchen  gegenüber,  das  gleichsam
nur  im  Finstern  tappt.  Auch  in  diesem  Falle  wüßte  dann  die  Wertforschung ­
  bis  zu  den  letzten  Dingen  Bescheid  über  sich,  und  vermöchte
sich  danach  einzurichten.
So  macht  es  in  allen  denkbaren  Fällen  die  zweifellose  Bedeutung
dieser  Frage  aus,  daß  sie  zum  Anlaß  wird,  ein  schweres  kritisches
Versäumnis  gutzumachen:  Darin  beruhend,  daß  schon  im  allgemeinen ­
  das  nationalökonomische  Denken  einen  Bestandteil  in  sich
schließt,  der  bisher  verborgen  und  daher  auch  ungeprüft  geblieben
ist;  daß  noch  im  besonderen  die  Wertforschung  damit  zugleich  von
einer  ungewußten  Voraussetzung  ausgegangen  ist,  die  im  höchsten
Grade  verbindlich  erscheint  für  das  ganze  Gebaren  dieser  Forschung.
Wir  mögen  also  immerhin  diese  Frage  hier  aus  ganz  bestimmten,
sozusagen  praktischen  Gründen  aufwerfen:  darüber  noch  hinaus  darf
es  als  eine  Ehrenpflicht  des  nationalökonomischen  Forschens  angesehen ­
  werden,  der  Kritischen  Wertfrage  Genüge  zu  tun.
Es  hat  sich  diese  Frage  aus  Erwägungen  zwingend  ableiten  lassen
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v.  Göttl-Ottlilienfeld,  Wirtschaft  als  Leben.
            
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