56
,Der Wertgedanke“,
teil darüber an die Hand, wie dieses Singularobjekt zu erledigen sei.
Dieses Urteil aber gewinnt für ihn, der in den übrigen „Werttheorien“
nur die anderweitigen Erledigungen des nämlichen Objektes
„Wert“ ersehen kann, die Bedeutung eines zwingenden Vorurteils
bei der Würdigung jener anderen „Beiträge zur Wertlehre“. Wenn er
nun diese anderweitigen Erledigungen von jener abweichen sieht, die
ihm als die richtige erscheinen muß, und die eben mit der eigenen
oder angeeigneten „Werttheorie“ vorliegt, und dies in Punkten, wo sie
offenbar übereinstimmen sollten, im besonderen also bei der Antwort
auf die Frage „Was ist der Wert?“: dann kann er erst gar nicht auf
den Zweifel verfallen, ob es sich bei den verschiedenen „Beiträgen zur
Wertlehre“ in der Tat um das Eine, für jedermann nämliche Objekt
handle. Denn unter dem Zwange jenes Vorurteils müssen ihm diese
Abweichungen von Haus aus als Fehler erscheinen, deren sich
jene anderweitigen Erledigungen schuldig machen. Als Fehler, die
zwar der Tatsache nach im Rahmen der „Wertlehre“ störend wirken,
im übrigen aber nicht das mindeste an dem grundsätzlichen Verhältnis
ändern können, daß es die „Wertlehre“ mit dem Einen, für jedermann
nämlichen Objekt zu tun habe. So bringt es gerade die stille Geltung
des Wertgedankens zuwege, ihn in seiner Verborgenheit vor allem
Zweifel gefeit zu erhalten, und zugleich erscheinen dabei die seltsamen
Zustände der „Wertlehre“ in einem harmlosen Lichte: als etwas, das
an sich zwar beklagenswert ist, aber keinerlei kritische Bedenken wach
ruft !).
*) Ganz im Sinne der Auffassung, welche die Verhältnisse der „Wertlehre“ unter
der Herrschaft der herkömmlichen Anschauung mit Notwendigkeit erfahren, ist auch das
Verhalten der Theoretiker gegenüber den fremden „Werttheorien“, wo diese von der
eigenen oder angeeigneten inhaltlich abweichen. Im besonderen auch, soweit es die
Antwort auf die Frage „Was ist der Wert?" betrifft. Dreifach ist da die Art, in der
wir die Vertreter einer eigenen Werttheorie die Aussagen der fremden angreifen sehen.
Die abweichende Antwort auf jene Frage wird zum Ersten als Definitionsfehler
hingestellt. Man sieht, die Einheit, die Nämlichkeit des Objektes „Wert“ wird hier in
der Einheit und Nämlichkeit des Definiens erblickt, wobei das Definitum, wie es aus
der eigenen „Werttheorie“ hervorgeht, als Kriterium der Richtigkeit im Definieren ge-
handhabt wird. In diesem Sinne sagt z. B. Zuckerkandel (Z. Th. d. Pr. S. 51):
„Die von Galiani gegebene Definition des Wertes ist unrichtig.“ Es klingt schon
mehr die (gleich zu erörternde) zweite Art des Angriffes heraus, wenn Zuckerkandel
an einer anderen Stelle (a. a. O. S. 45) sagt: „Will man die Kaufkraft aus mensch
lichen Erwägungen heraus erklären, so muß man zunächst wissen, was man unter Wert
zu verstehen hat. Welche Momente Zusammentreffen müssen, damit eine Sache Wert
erhalte, dies war der Wissenschaft bald klar geworden, und man hielt allgemein mit
Recht daran fest, daß der Wert entsteht, sobald eine Sache Nützlichkeit und Seltenheit
besitzt. Damit war aber noch nicht gegeben, was der Wert ist. Lange verstand man