Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

4.  Der  Kapital-  und  Geldmarkt.

129

Es  betrug  der  Durchschnittskurs  der  3  o/ 0  *)

Jahr

Französischen
Rente

Deutschen
Reichsanleihe

Jahr

Französischen
Rente

Deutschen
Reichsanleihe

1896

102,16

99,22

1905

99,27

90,08

1897

103,33

97,65

1906

97,65

87,73

1898

102,85

95,51

1907

94,85

84,15

1899

101,24

90,71

1908

96,24

83,24

1900

100,60

86,74

1909

97,77

85,84

1901

101,22

89,27

1910

97,98

84,41

1902

100,80

92,18

1911

95,61

83,65

1903

98,13

91,49

1912

92,46

8  ,11

1901

97,54

90,02

1913

87,08

75,90

Man  erkennt  aus  der  Tabelle  zunächst  den  wesentlich  niedrigeren
Kursstand  der  deutschen  Staatspapiere,  erkennt  aber  auch  weiter,  wie
sich  diese  Kurse  in  den  Jahren  der  Depression  in  aufsteigender  Linie
bewegen.  Hat  man  doch  auch  schon  im  Zusammenhang  mit  diesem
großen  Kapitalbedarf  der  Industrie  und  diesem  niederen  Kursstand
der  öffentlichen  Anleihen,  bei  uns  vielfach  die  Auffassung  vertreten,
daß  in  Deutschland  überhaupt  in  den  letzten  Jahren  vor  dem  Kriege
die  Kapitalbildung  gegenüber  dem  Kapitalbedarf  eine  unzureichende
gewesen  sei 2 ).  Es  ist  dies  eine  Frage,  welche  atn  Schlüsse  noch
eingehender,  vor  allem  auch  unter  dem  Gesichtspunkte  unserer  weiteren ­
  wirtschaftlichen  Entwicklung,  besprochen  werden  wird.
Dieser  große  Kapitalbedarf  der  Industrie  äußert  sich  aber  nicht
nur  in  der  eben  dargelegten  Weise  auf  dem  Kapitalmärkte,  er  tritt
auch  in  den  Zeiten  einer  aufsteigenden  Konjunktur  auf  dem  Geldmärkte ­
  auf.  Das  hat  verschiedenen  Gründe:  Einmal  steigen  in
der  Hochkonjunktur  dieümsätze  in  der  Volkswirtschaft;  es  tritt;  auch
eine  wesentliche  Beschleunigung  derselben  ein.  Dann  muß  man  auch
immer  im  Auge  halten,  daß  auch  die  Nachfrage  auf  dem  Kapitalmarkt
diejenige  auf  dem  Geldmarkt  beeinflussen  muß.  Denn  das  neugebildete ­
  Kapital  fließt  zunächst  dem  Geldmärkte  zu,  auf  dem  sich  also
auch  zuerst  die  Nachfrage  nach  Kapital  bemerkbar  macht  und  in
diesem  Sinne  ist  es  also  auch  der  Geldmarkt,  aus  welchem  so  der
Kapitalmarkt  in  seinen  Ansprüchen  gespeist  wird.
Aber  auch  der  Bedarf  nach  kurzfristigem  Leihkapital  nimmt  im
Verlaufe  der  Hochkonjunktur  zu.  Es  ist  ja  weiter  oben  schon  dangelegt ­
  worden,  daß  in  solchen  Zeiten  der  Wechselumlauf  eine  ganz
erhebliche  Vermehrung  erfährt.  Diese  gleiche  Tatsache  läßt  sich
*)  Zusammengestellt  nach  Schwarz,  Die  Kurse  a.  a.  0.  und  nach  dem
Statist.  Jahrbuch  des  Deutschen  Reiches.
2 )  Vgl.  dazu  Mombert,  Zur  Frage  von  Kapitalbildung  und  Kapitalbedarf ­
  in  Deutschland.  Festschrift  für  Lu  jo  Brentano.  München  1916.
            
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