Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

138  Dritter  Abschnitt.  Einfluß  des  Konjunkturwandels  und  der  Krisen.

diesen  Zeiten  dieser  Teil  des  Kreditorenkontos  bei  den  Banken  einen
starken  Rückgang  erfährt.  Die  umgekehrte  Entwicklung  vollzieht  sich
dann,  wenn  es  mit  der  Konjunktur  bergab  geht  und  das  wirtschaftliche
Leben  sich  im  Zustande  der  Depression  befindet.  Nur  in  seltenen
Fällen,  bei  starken  krisenhaften  Erschütterungen  des  Wirtschaftslebens, ­
  beim  Ausbruch  einer  Panik,  pflegen  auch  die  Spargelder
in  Form  eines  Runs  auf  die  Banken  eine  erhebliche  Einbuße  zu  erfahren. ­

Eine  weit  größere  Mannigfaltigkeit  herrscht  auf  der  anderen  Seite,
auf  dem  Debitorenkonto,  welches  die  Schuldner  der  Bank  enthält ­
  und  die  Beträge  verzeichnet,  welche  die  Bank  in  irgendeiner
Form  ausgeliehen  hat.  Wenn  wir  uns  daraufhin  die  Aktivseite  einer
Bankbilanz  ansehen,  so  sehen  wir  hier  vor  allem  die  folgenden
Posten  verzeichnet:
1.  Wechsel  und  unverzinsliche  Schatzanweisungen.
2.  Vorschüsse  auf  Waren  und  Warenverschiffungen.
3.  Eigene  Wertpapiere.
4.  Beteiligungen  verschiedener  Art.
5.  Debitoren  in  laufender  Rechnung,  wobei  gedeckte  und  ungedeckte ­
  unterschieden  werden.
Das  sind  die  Hauptformen  der  Kreditgewährung,  welche  sich
unter  den  Aktiven  einer  Bankbilanz  verzeichnet  finden.  Dazu  tritt
noch  eine  andere  Form,  die  jedoch,  da  sie  eine  Verpflichtung  der  Bank
enthält,  sich  auf  der  Passivseite  der  Bilanz  vorfindet,  der  sogenannte
Akzeptkredit.  Wir  wollen  diese  verschiedenen  Formen  kurz  betrachten ­
  und  sehen,  welche  Rolle  sie  im  Wirtschaftsleben  eines
Landes  spielen  und  welchen  Wandlungen  sie  im  Ablaufe  der  Konjunktur ­
  unterliegen.
Von  dem  Wechselgeschäft  war  oben  schon  mehrmals,  vor
allem  bei  der  Darstellung  der  Tätigkeit  der  Reichsbank,  die  Rede
gewesen.  Auch  die  Kreditbanken  übernehmen  Wechsel  zur  Diskontierung, ­
  und  nach  dem  oben  Gesagten  ist  es  klar,  warum  bei  einer
aufsteigenden  Konjunktur  ihr  Wechselumlauf  die  Tendenz  hat,  zuzunehmen. ­
  Wechsel  bedeuten  für  die  Bank  eine  sehr  gute  Kapitalanlage, ­
  da  sie  in  sehr  kurzer  Zeit  ohne  Kursverlust  von  den  Ausstellern ­
  eingelöst  werden  und  da  die  Bank  durch  Rediskontierung
dieser  Wechsel  bei  der  Reichsbank  in  der  Lage  ist,  sich  jederzeit
in  den  Besitz  von  flüssigen  Mitteln  zu  setzen.  Hierdurch  wird  eine
Tendenz  ausgelöst,  daß  in  kritischen  Zeiten,  zu  denen  ja  in  erster
Linie  krisenhafte  Störungen  zu  rechnen  sind,  umfangreiche  Rediskontierungen ­
  stattfinden,  wodurch  der  Wechselumlauf  der  Kredit-
            
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