Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

168  Vierter  Abschnitt.  Konjunkturprognose  und  Konjunkturpolitik.

werte  Einflüsse  auf  den  Kapital-  und  Geldmarkt  und  damit  auch
auf  den  Gang  der  wirtschaftlichen  Konjunktur.
Es  ist  hierbei  an  die  Kreditgewährung  der  einzelnen  Unternehmungen ­
  an  ihre  Kunden,  welche  ja  in  ganz  verschiedenem  Maße
stattfindet,  gedacht.  Diese  Art  der  Kreditgewährung  hängt  auch
wieder  mit  der  Eigenart  der  betreffenden  Industriezweige  zusammen
und  ist  damit  von  dem  Motiv,  ein  bestimmtes  wirtschaftliches  Ziel
zu  erreichen,  beherrscht.  Es  sei  an  dieser  Stelle  nur  auf  zwei  Industriezweige ­
  hingewiesen.  In  dem  einen  Falle  handelt  es  sich  um
die  Kundschaftsdarlehen  der  Brauereien,  in  dem  anderen  um  die
früher  so  berüchtigte  Kreditgewährung  der  deutschen  Maschinenfabriken. ­

Die  Kreditgewährung  der  Brauereien  an  ihre  Kunden  hängt
mit  der  sogenannten  „Hektoliterjagd“  zusammen,  dem  Streben  nach
Erhöhung  ihres  Absatzes,  ein  Streben,  das  hier  ganz  besonders  starkist,
weil  gerade  im  Brauereigewerbe  die  Höhe  der  Produktionskosten  in
besonders  engem  Zusammenhänge  mit  der  Größe  der  Produktion  steht.
So  hatten  im  Jahre  1911  335  Aktienbrauereien  in  Deutschland  an
Darlehen  und  Hypotheken  233,2  Millionen  Mark  oder  9,58  Mark  pro
Hektoliter  Ausstoß  ausstehen 1 ).
Über  die  Kreditverhältnisse  in  der  Maschinenindustrie  heißt
es  in  einer  Zuschrift  an  die  Frankfurter  Zeitung,  die  schon  mehrere
Jahre  zurückliegt:
„Für  die  deutschen  Maschinenfabriken  aber  ist  gerade  der
Zahlungsmodus  in  sehr  vielen  Fällen  der  wundeste  Punkt.  Die
Verkaufsbedingungen  lauten  erst  im  allgemeinen:  ein  Drittel  bei-Bestellung, ­
  ein  Drittel  bei  Lieferung,  ein  Drittel  drei  Monate  später.
Aber,  wer  kümmert  sich  darum?  Die  schleppende  Zahlungsweise  ist
mit  das  größte  Übel,  an  dem  die  deutsche  Maschinenindustrie  krankt.
Was  hohe  Rohmaterialienpreise,  gestiegene  Löhne  und  soziale  Lasten
noch  an  Gewinn  übrig  lassen,  das  wird  von  den  hohen  Zinsen  fü|r
Leibgeld  fast  sicher  aufgezehrt,  so  daß  im  allgemeinen  nur  diejenigen
Werke  mit  Nutzen  arbeiten  können,  die  finanziell  stark  sind.  Daneben
haben  sich  noch  spezielle  Schäden  eingenistet,  die  auch  ausgemerzt
werden  müssen,  wenn  nicht  die  Lage  der  Maschinenindustrie  immer
schlimmer  werden  sollte.  Wir  haben  da  u.  a.  die  Gegengeschäftsmanie ­
  im  Auge,  die  in  Deutschland  immer  größere  Dimensionen  aninimmt.
  Selbst  die  größten  und  mächtigsten  Werke  entblöden  sich
nicht  mehr,  Bestellungen  nur  unter  der  Bedingung  zu  erteilen,  daß
eine  gewisse  Quote,  ein  Viertel,  die  Hälfte,  —  ja  der  ganze  Betrag  i)
i)  Nach  einer  Notiz  in  der  Frankfurter  Zeitung,  deren  Datum  ich  jedocb
nicht  mehr  feststellen  konnte.
            
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