Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

2.  Die  private  Unternehmung  im  Wandel  der  Konjunktur.

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lust  übernommen  worden  sind  und  daß  in  dieser  Industrie  vielfach
neue  Betriebszweige  eingeführt  wurden,  als  mit  dem  Beginne  des
Jahrhunderts  mit  dem  Rückgänge  :der  Konjunktur  die  Aufträge
weniger  wurden.
Auch  die  verschiedene  Einkaufspolitik  bei  den  einzelnen
Industrien  und  Unternehmungen  in  der  Zeit  einer  aufsteigenden  Konjunktur ­
  hängt  enge  mit  ihrer  ökonomischen  Eigenart  zusammen.  An
zahlreichen  Stellen  der  Untersuchungen  .des  Vereins  für  Sozialpolitik ­
  über  die  Störungen  im  deutschen  Wirtschaftsleben  wird  uns
berichtet,  daß  in  der  vorangegangenen  Hausseperiode  sehr  häufig  zu
unsinnig  hohen  Preisen  Rohstoffe  und  sonstige  Produktionsmittel
eingekauft  worden  seien,  daß  Industrie  und  Handel  von  Angst  erfüllt
gewesen  seien,  daß  sie  ihren  Bedarf  nicht  mehr  in  der  genügenden
Menge  oder  doch  nur  zu  immer  weiter  steigenden  Preisen  erhalten
könnten.  Vielfach  lag  diesen  'Käufen  auch  ein  rein  spekulatives
Moment  zugrunde.  Man  rechnete  mit  weiteren  Preissteigerungen
und  suchte  deshalb  Vorräte  ;  anzuhäufen,  um  sie  dann  später
in  irgendeiner  Weise  gewinnbringend  verwerten  zu  können.  Diese
Art  der  Einkaufspolitik  mußte  nicht  nur  weiter  preissteigernd  wirken,
sondern  hat  auch  dann  beim  Umschwung  der  Konjunktur  für  zahlreiche ­
  Unternehmungen  verhängnisvolle  Folgen  gehabt.  Als  mit
dem  Eintritt  der  Depression  die  Preise  gesunken  waren,  mußten
nämlich  gewaltige  Abschreibungen  auf  die  so  teuer  eingekauften
Materialien  vorgenommen  werden.  Die  Abschreibungen,  welche  aus
diesem  Grunde  damals  bei  der  Firma  Siemens  &  Halske  erfolgen
mußten,  haben  für  diese  einen  Verlust  von  über  einer  Million  bedeutet ­
 1 ).
Schon  Sombart  hatte  in  seinem  Referat  auf  der  Generalversammlung ­
  des  Ver.  f.  Sp.  in  Hamburg  auf  die  großen  Unterschiede ­
  hingewiesen,  welche  zwischen  denjenigen  Industrien  bestehen, ­
  die  organische  Stoffe  verarbeiten,  und  denjenigen,  welche
anorganische  Rohstoffe  für  ihre  Produktion  benutzen.  Bei  den
ersteren  unterliegen  die  Rohstoffe  in  der  Periode  der  wirtschaftlichen
Aufwärtsbewegung  einer  schnellen  und  beträchtlichen  Verteuerung,
bei  den  letzteren  ist  dies  in  weit  geringerem  Maße  der  Fall.  „Man
kann  sagen,  in  den  organischen  Industrien  wird  die  Konjunktur
durch  die  Ernte  bestimmt,  in  den  anorganischen  bestimmt  die  Konjunktur ­
  die  Rohstoffproduktion.“  Dieser  grundlegende  Unterschied
muß  natürlich  dem  privatwirtschaftlichen  Streben  zur  Erreichung
eines  bestimmten  Zweckes  ganz  verschiedene  Wege  weisen,  die  dann
ihrerseits  wieder  hauptsächlich  aus  der  ökonomischen  und  technischen

U  Sehr.  d.  V.  f.  Sp.  B.  107.  S.  109.
            
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