Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

194  Vierter  Abschnitt.  Konjunkturprognose  und  Konjunkturpolitik.

kungen  der  Valuta  unterworfenen  Marktpreise  stellen.  Die  Preisdifferenz ­
  trägt  dabei  di©  Leinengarnabrechnungsstelle,  lau  welche
dafür  die  Spinner,  ebenfalls  zu  einem  festen  Einheitspreise,  in
welchem  die  immer  wieder  neu  zu  errechnenden,  also  variablen
Spinnkosten  als  Zuschläge  enthalten  sind,  ihr  fertiges  Produkt  abzuliefern ­
  haben.
In  dieser  Weise  ist  den  Spinnern  eine  von  den  Schwankungen
der  Valuta  unabhängige,  risikolose  Beschäftigung  gewährleistet.  Die
Leinengarnabrechnungsstelle  kommt  auf  diese  Weise  immer  wieder
in  den  Besitz  der  an  die  Spinner  verbilligt  abgegebenen  Rohstoffe.
Der  für  diese  Abrechnungsstelle  so  eventuell  entstehende  Verlust  in
der  Differenz  zwischen  den  Einkaufs-  und  Verkaufspreisen  des
Flachses  wird  dann  durch  den  Verkauf  der  Game  an  die  Webereien
gedeckt,  die  dafür  ebenfalls  einen  einheitlichen  Preis  zu  zahlen
haben.
Die  großen  Vorteile  dieser,  in  ihren  Einzelheiten  überaus  verwickelten ­
  Abmachungen,  liegen  also  darin,  daß  damit  der  Rohstoffbezug ­
  zu  stabilen  Preisen  und  damit  eine  genaue  Kalkulation  möglich ­
  wird  und  daß  so,  um  mit  Mey  zu  reden  „die  derzeitigen  Valutaschwankungen, ­
  die  z.  B.  in  der  Baumwollindustrie  von  Tag  zu  Tag
alle  Berechnungen  umwerfen  an  der  Leinenspinnerei  relativ
unbemerkt  und  spurlos“  vorübergegangen  sind.
Wenn  trotzdem  plötzliche  Steigerungen  der  Inlandsflachspreise
eintreten,  dann  fängt  dieser  Rohstoffausgleich  wenigstens  den  ersten,
kräftigsten  Stoß  einer  derartigen  Preiserhöhung  auf  und  schützt  die
Spinner  in  wirksamer  Weis©  vor  den  unmittelbaren  Folgen  akuter
Preisschwankungen.  Durch  Ansammlung  großer  Reserven  aus  den
Garnverkäufen  schafft  dann  darüber  hinaus  dieser  Rohstoffausgleich
noch  die  Mittel,  um  die  durch  Konjunkturumschläge  gelegentlich
entstehenden  Verluste  decken  zu  können.
Das  dritte  und  letzte  Glied  in  diesem  System  von  Garantieverträgen ­
  ist  dann  der  Spinner-Webervertrag.  Das  ökonomisch
Wesentlichste  dieser,  in  sich  wieder  sehr  komplizierten  Abmachungen, ­
  ist  der  sog.  Garn-Abnahmevertrag,  in  welchem  sich  die  reinen
Spinnereien  zum  Verkauf  und  die  Leinengarnabrechnungsstelle  dementsprechend ­
  zur  Abnahme  eines  bestimmten  Teiles  der  erzielten
Gesamterzeugung  dieser  Betriebe  verpflichten.
In  diesem  System  von  Abnahme-  und  Garantieverträgen  haben
wir  es  mit  einem  sehr  fein  durchdachten  Mittel  zu  tun,  um  damit
den  für  die  Einzelwirtschaften  so  verhängnisvollen  Wirkungen  des
Auf  und  Ab  in  der  Valuta  auszuweichen.
            
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