3. Die Tätigkeit von Staat und Gemeinden im Wandel der Konjunktur. 197
dener Weise eingegriffen. Um die Bedürfnisse an Umlaufsmitteln
befriedigen zu helfen, hat das amerikanische Schatzamt damals die
Barmittel der Banken durch Hinterlegung großer Beträge an Re
gierungsgeldern gestärkt. Die Mittel dazu hatte die Regierung aus
ihren Einnahmen an Steuern und Zöllen zur Verfügung. Als aber
diese Mittel auch nicht genügten, da gab die Regierung Anleihen
aus, um so einmal die aus Angst versteckten Gelder herauszulocken,
die aber dann auch dazu bestimmt waren, durch Hinterlegung bei
den Banken diesen eine Erweiterung der Notenausgabe zu ermög
lichen und so den Bedarf an Umlaufsmitteln zu verstärken 1 ).
Diese beiden Beispiele zeigen also, nach welchen Richtungen
hin bei solchen krisenhaften Erschütterungen des Wirtschaftslebens
Maßnahmen des Staates oder der Notenbank, die ja keineswegs
überall ein staatliches Institut zu sein braucht, nützlich sein können.
Es handelt sich in allererster Linie darum, das erschütterte Ver
trauen zu stützen, um so einem Umsichgreifen der Panik vorzu
beugen. Nach der gleichen Richtung hin bewegen sich natürlich
auch die Aufgaben der Kreditbanken. Unsere großen Kredit
banken sind einzeln und erst recht in ihrer Gesamtheit heute solche
Mächte im Wirtschaftsleben, können einen solchen Einfluß auf den
Geldmarkt und auf die Börse ausüben, dah sie sehr wohl dazu im
stande sind, bei solchen krisenartigen Erschütterungen durch Inter
ventionen der verschiedensten Art beruhigend und stützend einzu
greifen. Daß dieses bisher schon häufig geschehen ist, dafür ließen
sich aus der deutschen Bankgeschichte mancherlei Beispiele bringen.
Handeln doch auch die Kreditbanken im wohlverstandenen eigenen
Interesse, wenn sie, selbst unter beträchtlichen Opfern, einem Um
sichgreifen einer solchen Panik vorzubeugen suchen.
Man muß nämlich immer davon ausgehen, daß solche Rückgänge
in der Konjunktur, vor allem, wenn sie in der scharfen Form einer
ausgesprochenen Krise auftreten, vielfach in der Nichterfüllung
kontraktlicher Verbindlichkeiten der Zahlung gegen den Gläubiger
auf der Basis vorhandener Kreditverhältnisse zum Ausdruck kommen,
wie es Adolf Wagner einmal bezeichnet hat 2 ). Die meisten
Krisen münden in diesem Sinne in eine Kreditkrise aus. Wenn ein
mal eine Krise mit solchen Wirkungen ausgebrochen ist, wenn, wie
es früher fast immer der Fall war, wie es sich dann wieder in den
Vereinigten Staaten im Jahre 1907 wiederholte, ein Zustand all
gemeiner Kreditlosigkeit eintritt, dann kann allein dadurch geholfen
U Vgl. dazu Hasenkamp, u. Schuhmacher, a. a. 0.
. ) Art. Krisen in Rentschs Handwörterbuch d. Volkswirtschaftslehre.
Leipzig 1866.