Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

216  Vierter  Abschnitt.  Konjunkturprognose  und  Konjunkturpolitik.

mit  ihrem  Diskontsatz  auf  71/2  0/0  hinauf  mußte,  sondern  beiß  0/0  stehen
Meißen  konnte,  wodurch  die  Lage  für  das  wirtschaftliche  Leben
eine  erträglichere  blieb,  so  hing  dies  in  erster  Linie  damit  zusammen,
daß  aus  Gründen,  auf  welche  an  dieser  Stelle  einzugehen  zu  weit
führen  würde,  in  diesen  Monaten  der  Goldbestand  der  Reichsbank
nicht  so  von  seiten  des  Auslandes  gefährdet  war,  wie  es  im  Jahre  1907
der  Fall  gewesen  ist.
Es  wäre  aber  ein  Irrtum,  anzunehmen,  daß  diese  ungünstigen
Verhältnisse  auf  dem  Geldmärkte  nur  mit  den  oben  erwähnten  politischen ­
  Störungen  zusammenhingen.  Auch  aus  Gründen,  welche  ihre
Ursache  im  Gange  des  deutschen  Wirtschaftslebens  hatten,  zeigten
sich  damals  starke  Tendenzen,  welche  auf  eine  Verknappung  der
am  Kapital-  und  Geldmärkte  verfügbaren  Mittel  hindrängten.  Das
ließ  sich  deutlich  erkennen,  als  mit  dem  Frühjahr  und  Sommer  1913
zwar  die  Lage  der  Reichsbank  eine  günstigere  wurde,  ohne  daß  die
Lago  am  Geldmärkte  eine  bessere  geworden  wäre.  Blieb  doch  der
Diskontsatz  bis  Ende  1913  auch  auf  6  0/0  stehen.  War  doch  auch  in
dieser  ganzen  Zeit  die  Beschäftigung  der  Industrie  eine  gute,  und
wurden  doch  in  diesem  ganzen  Jahre  im  Zusammenhang  damit  erhebliche ­
  Ansprüche  von  Industrie  und  Handel  an  den  Kapital-  und
Geldmarkt  gestellt.
Die  starke  Beanspruchung  des  Kapital-  und  Geldmarktes  von
seiten  der  Industrie  zeigte  sich  im  Jahre  1913  vor  allem  deutlich  in
einem  weiteren  Kursrückgang  der  Staats-  und  Stadtanleihen.  Gegenüber ­
  dem  Jahre  1912  gingen  im  Jahre  1913  di©  Kurse  der  4-,  31/2-und
3prozentigen  Reichsanleihen  im  Durchschnitt  von  100,92,  89,80  und
80,11  auf  98,54,  85,82  und  75,90  zurück.  Die  Erhöhung  des  Diskontsatzes, ­
  der  zum  Teil  immer  noch  andauernde  gute  Geschäftsgang  in
der  Industrie,  mußte  dahin  tendieren,  durch  einen  Kursdruck  auf  diese
Papiere,  deren  Realzinsfuß  zu  steigern.  Nach  einer  Berechnung  der
Frankfurter  Zeitung  betrug  die  Rentabilität  der  3l/2prozentigen  Reichsanleihe ­
  Mitte  Dezember  1911  3,61  o/ 0 ,  Mitte  Dezember  1912  3,90o/o
und  Mitte  Juni  1913  4  <>/o.  Trotz  der  Ungunst  dieser  Verhältnisse
wurden  im  ersten  Halbjahr  1913  noch  gewaltige  Beträge  an  staatlichen. ­
  und  kommunalen  Wertpapieren  auf  den  Markt  gebracht.
Während  dieser  ganzen  Zeit  war  aber  die  Beschäftigung  noch
eine  gute.  Der  Balkankrieg  hatte  darauf  nur  einen  recht  geringen
Einfluß  ausgeübt.  Die  folgende  kleine  Aufstellung  zeigt  dies  für  den
Kohlenbergbau  und  die  Montanindustrie 1 ).

U  Frankf.  Zeitungg.  Erstes  Morgenblatt  vom  29.  November  1913:  Die
Montanindustrie.  1912—13.
            
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