4. Die Prognose des Konjunkturwandels.
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gegenüber zurückhaltend werden und daß sich daraus gewisse Ten
denzen ergeben müssen, welche auf einen Rückgang im Absätze hin
wirken. Wenn wir z. B. sehen, daß Düsseldorfer Gießerei-Roheisen
pro Tausend Kilogramm in den Jahren:
1905 = 59,8 Mark
1906 = 69,6 „
1907 = 77,6 „
1908 = 71,1 „
1909 = 64,2 „
1910 = 66,2 Mark
1911 = 64,8 „
1912 = 75,9 „
1913 = 85,1 „
1914 = 76,2 „
kostete, so kann man wohl sagen, daß dieser Erhöhung der Preise
gegenüber die Kaufkraft der Bevölkerung und damit die Aufträge an
die Industrie, eines Tages nachlassen müssen. Insoweit können
erhebliche Preiserhöhungen, vor allem ßei den Rohstoffen und
Halbfabrikaten, zweifellos ein gewisses Symptom dafür sein, daß über
kurz oder lang die Kurve der Konjunktur nach unten gehen muß.
Es handelt sich also auch hierbei um einen Faktor, welcher bei
dem Studium der Konjunktur mit aller Sorgfalt zu beachten ist. Es
vermag jedoch niemand zu sagen, an welchem Punkte die Preisent
wicklung ihre mögliche Höchstgrenze erreicht hat und ob die Kauf
kraft der Bevölkerung und die Psyche des Unternehmers und Kauf
manns noch weitere Steigerungen mit in Kauf nehmen können und
wollen. Aus diesem einfachen Grunde kann man wohl die Preis
kurve dazu benutzen, festzustellen, daß sich das Wirtschaftsleben
in dem Zustande der Hausse befindet, daß sich diese auch wahr
scheinlich ihrem Höhepunkte schon genähert hat und daß es nicht
mehr lange so weitergehen kann. Man kann aber in der Entwick
lung der Preise keinen absolut sicheren Maßstab dafür erblicken, daß
es nun auch wirklich mit der Hochkonjunktur zu Ende geht und ein
wirtschaftlicher Rückschlag bevorsteht. Zur Prognose der Konjunktur
ist die Betrachtung der Preiskurve also nur in sehr eingeschränktem
Maße geeignet.
Wesentlich brauchbarere und sicherere Anhaltspunkte dafür ge
währen jedoch die Verhältnisse auf dem Kapital- und Geldmarkt,
welche wir deshalb auch im Vorangegangenen mit so großer Aus
führlichkeit betrachtet haben. Der innere Zusammenhang, welcher
zwischen dem Wandel in der Konjunktur und den Verhältnissen auf
dem Kapital- und Geldmärkte besteht, liegt dabei ziemlich einfach
zutage. Zur Erklärung dieser Beziehungen ist es notwendig, noch
etwas eingehender auf den Mechanismus des Konjunktur
wandels einzugehen, als es bisher geschehen ist. Es handelt
sich hierbei vor allem um die Beziehungen, welche zwischen der
Mombert, Stadium der Konjunktur. 15