Full text: Einführung in das Studium der Konjunktur

4. Die Prognose des Konjunktur wandeis. 
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Städten, in denen jedoch ganz allein von den neuerrichteten Ge 
bäuden und Wohnungen die Rede ist. 
Aber nicht allein auf dem Baumarkte muß ein steigender Zins 
fuß mindernd auf die Nachfrage einwirken. Auch an zahlreichen an 
deren Punkten des Wirtschaftslebens muß das gleiche der Fall sein, 
Wir haben ja oben schon gesehen (Tabelle S. 129), daß in den Zeiten 
einer ausgesprochenen Hochkonjunktur unter der Konkurrenz des 
Kapitalbedarfs der Industrie die öffentlichen Körperschaften, Staat 
und Gemeinde, nur zu erschwerten Bedingungen neue Anleihen auf- 
legen können. Es sind hier genau die gleichen Faktoren wirksam, 
welche es auch in dieser Zeit fast unmöglich machen, daß 
der Baumarkt die erforderlichen Mittel erhält. Man konnte diesen 
Wandel ganz besonders deutlich bei dem letzten Konjunktur- 
umschwung beobachten. Vom Jahre 1910—1913 ging der Emissions 
betrag an staatlichen, städtischen und Provinzialanleihen, sowie an 
Hypothekenbankobligationen in der Gesamtsumme um 410 Millionen 
Mark zurück. Es liegt auf der Hand, daß damit ebenfalls ein erheb 
licher Rückgang in der Nachfrage auf dem Gütermarkt verbunden sein 
mußte, wenn den öffentlichen Körperschaften in geringerem Umfange 
als zuvor die Mittel zur Verfügung standen, größere Arbeiten vor 
nehmen zu lassen. Diese ganze Entwicklung vollzieht sich nun in der 
gleichen Zeit, in welcher die neugeschaffenen Anlagen an der Pro 
duktion teilzunehmen beginnen, wo aber dann auch hier in der In 
dustrie infolge des gestiegenen Zinsfußes die Neuschaffung von 
Produktionsmitteln abzunehmen, oder mindestens ein langsameres 
Tempo einzuschlagen beginnt. 
Bei steigender Produktionsmöglichkeit beginnt also die Nachfrage 
zurückzugehen. Die Entwicklung der Industrie, welche ihren Pro 
duktionsapparat stark erweitert hat, ist damit auf eine steigende Nach 
frage eingestellt, während jetzt hier die entgegengesetzte Tendenz Platz 
zu greifen beginnt. Es kommt noch hinzu, daß bisher die Industrie 
sich durch diese Neuanlagen und Neugründungen selbst einen be 
trächtlichen Teil der Nachfrage und Beschäftigung geschaffen hat 
Diese so entstandene Nachfrage auf dem Gütermarkt muß nun 
ebenfalls mehr oder weniger zurückgehen, wenn mit dem Steigen des 
Zinsfußes die Schaffung solcher Neuanlagen nachläßt. Dazu kommt 
noch, daß dann diese neugeschaffenen Anlagen allmählich selbst zu 
produzieren und damit das Güterangebot zu vergrößern beginnen. 
Wenn wir uns auf Grund dieser Überlegungen fragen, an welchen 
Punkten des Wirtschaftslebens zuerst der Abbau der Nachfrage ein- 
setzen muß, welche Industrien zuerst darunter zu leiden haben, so 
] st nach dem Dargelegten die Antwort nicht schwer zu finden. Wii
	        
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