Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

224  Vierter  Abschnitt.  Konjunkturprognose  und  Konjunkturpolitik,

müssen  nur  daran  denken,  daß  an  diesem  Zeitpunkte  die  Beschäftigung ­
  auf  dem  Baumarkte  nachläßt,  daß  die  Bestellungen  der  öffentlichen ­
  Körperschaften  zurückzugehen  beginnen,  daß  Neuanlagen'  und
Betriebserweiterungen  sich  nun  in  erheblich  langsamerem  Tempo
vollziehen,  um  zu  sehen,  daß  es  vor  allem  der  Markt  der  Rohstoffe
ist,  und  hier  wieder  vor  allem  die  Eisenindustrie,  bei  der  sich,  wie
auch  die  statistische  Betrachtung  zeigt,  zuerst  ein  Rückgang  in  den
Bestellungen  und  Aufträgen  und  demgemäß  auch  ein  Rückgang  der
Preise  zeigen  muß.
Das  sind  die  Gründe,  weshalb  sich  in  unserer  Organisation  der
Volkswirtschaft,  vor  allem  bei  den  eigentümlichen  Verhältnissen  des
deutschen  Wirtschaftslebens,  das  wir  später  unter  diesen  Gesichtspunkten ­
  deshalb  noch  eingehender  zu  betrachten  haben,  die  Symptome ­
  eines  beginnenden  Rückganges  der  Konjunktur  zuerst  auf  dem
Geldmärkte  zeigen.
Gegentendenzen  können  dadurch  entstehen,  daß  in  solchen  Zeiten
eines  steigenden  Zinsfußes  vom  Auslande  her  Kapital  eingeführt
wird.  Denn  das  Kapital  pflegt  dorthin  zu  strömen,  wo  ihm  der
größte  Ertrag  winkt,  also,  gleiches  Risiko  vorausgesetzt,  aus  den
Gebieten  mit  niedrigerem,  in  die  Gebiete  mit  höherem  Zinsfüße.
Die  Erfahrung  zeigt  jedoch,  daß  dies  im  allgemeinen  nur  in  sehr
geringem  Umfange  der  Fall  ist;  in  größerem  Maße  wäre  dies  nur
dann  möglich,  wenn  in  den  einzelnen  Ländern  gleichzeitig  eine  verschiedene ­
  Konjunktur  herrschte.  Dann  kann  es  Vorkommen,  daß  aus
dem  Lande,  in  dem  eine  wirtschaftliche  Depression  herrscht,  in
größerem  Umfange  Mittel  nach  einem  Lande  fließen,  in  welchem  eine
wirtschaftliche  Hochkonjunktur  vorhanden,  wo  also  die  Rentabilität
der  Kapitalanlage  eine  größere  ist.  Wenn  sich  aber  der  Konjunkturwandel ­
  international  in  gleicher  Weise  vollzieht,  und  es  sind  sehr
starke  Tendenzen  nach  dieser  Richtung  hin  vorhanden,  dann  können
solche  Kapitalübertragungen  in  größerem  Umfange  nicht  Vorkommen.
Zusammenfassend  kann  man  also  sagen,  daß  auf  der  einen
Seite  es  die  Art  der  wirtschaftlichen  Konjunktur  ist,  welche  in  hohem
Maße  die  Entwicklung  auf  dem  Kapital-  und  Geldmärkte  bestimmt,
daß  aber  dann  auf  der  anderen  Seite  von  einem  .gewissen  Punkte  ab
der  weitere  Gang  der  wirtschaftlichen  Konjunktur  von  den  Verhältnissen ­
  auf  dem  Kapital-  und  Geldmärkte  abhängig  ist.  Die  geschichtliche ­
  Betrachtung  der  neueren  Konjunkturentwicklung,  vor  allem  auch
in  Deutschland,  zeigt,  daß  jeder  Konjunkturrückgang  in  der  neuerem
Zeit  seinen  Ausgangspunkt  von  den  Verhältnissen'  am  Geldmärkte  genommen ­
  hat  und  daß  deshalb  bei  der  Konjunkturprognose  den  Er ­
            
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