260 Vierter Abschnitt. Konjunkturprognose und Konjunkturpolitik.
mehr an Dividenden zu zahlen, als den während dieser Zeit ge
machten Gewinnen entspricht, wird die Kaufkraft der Bevölkerung
während der Depression nicht in dem Maße sinken, wie es sonst
der Fall gewesen wäre.
Auf diese Weise werden Kaufkraft und Nachfrage in der Hoch
konjunktur geringer und während der Depression größer sein, als
es sonst der Fall wäre. Insoweit dieses zutrifft, werden damit die
Gegensätze dieser verschiedenen Konjunkturperioden verringert, wo
durch die Wellenbewegung der Konjunktur eine flachere werden
muß. Man wird unter diesen Gesichtspunkten sagen können, daß
es sich bei dieser Art der Bilanz- und Dividendenpolitik nicht nur
um die Schaffung von Reserven vom privatwirtschaftlichen Ge
sichtspunkt aus handelt, sondern daß das gleiche auch vom Stand
punkte der ganzen Volkswirtschaft aus gilt.
Auch auf anderen Wegen könnte eine ähnliche Wirkung erzielt
werden. Es ist hier vor allem an die Arbeitslosenversiche
rung gedacht, welche wir hoffentlich in nicht allzu langer Zeit
erhalten werden. Es handelt sich hier um eine Frage, welche an
dieser Stelle nur unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten in
ihrem Zusammenhänge mit dem Ablauf der Konjunktur zu be
trachten ist. Gleichviel, welche Form eine solche Arbeitslosen
versicherung bei uns einmal haben wird, wer ihre Träger sein
werden, welche Bestimmungen sie im einzelnen enthält, so steht
doch das eine fest, daß zur Bestreitung der zu zahlenden Unter
stützung an Arbeitslose feste Beträge erhoben werden, an deren
Aufbringung in einem bestimmten Verhältnis das Reich, vielleicht
auch die Gemeinden, Arbeitgeber und Arbeiter mitzuwirken haben.
Diese Beträge werden in gleicher Weise von den Beteiligten aus
ihren Einnahmen unmittelbar oder auf dem Wege der Besteuerung,
d. h. aus dem Volkseinkommen, in jeder Phase der Konjunktur
geleistet.
Während der Hochkonjunktur ist nun, wie wir gesehen haben,
die Zahl der Arbeitslosen eine sehr geringe, während sie bei
dem Rückgang der Konjunktur und während der Dauer der De
pression stark ansteigt. Die Dinge liegen also so, daß während der
Hochkonjunktur aus den Beiträgen gewisse Fonds angesamrnelt
werden, die in der Hauptsache bei dem Rückgang der Konjunktur
und während der Depression zur Auszahlung von Unterstützungen
dienen, In dem Maße, in dem dies der Fall ist, wird auch hier
entsprechend der Höhe dieser Beiträge, soweit sie während der
Hochkonjunktur nicht für diese Zwecke verausgabt werden, die
Kaufkraft der Bevölkerung in dieser Zeit vermindert und in der