Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

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fünfter  Abschnitt.  Ausblick.

Dali  daneben  trotzdem  noch  exogene  Faktoren  auf  lange  Jahre
hinaus  auf  die  deutsche  Konjunkturentwicklung  einen  maßgebenden
Einfluß  ausüben  können,  beruht  vor  allem  darauf,  daß  im  Gegensatz
zu  der  Zeit  vor  dem  Kriege,  die  Verhältnisse  auf  dem  Kapital-  und
Geldmärkte  in  Deutschland  nicht  allein  von  den  inneren  Kräften
und  der  Entwicklung  unserer  Wirtschaft  selbst  abhängen,  sondern
daß  darauf  der  „Agent“,  dem  die  Übertragung  der  Reparationsleistungen ­
  obliegt,  einen  maßgebenden  Einfluß  ausüben  kann.
Die  Reparationsleistungen  werden  vor  der  Reichsregierung  bekanntlich ­
  auf  das  Konto  des  Agenten  bei  der  Reichsbank  eingezahlt
und  können  hier  bis  zur  Hohe  von  2  Milliarden  stehenbleiben,  unter
bestimmten  Voraussetzungen  sogar  noch  in  größerem  Umfange.
Diese  Beträge  können  jederzeit  abgehoben  werden,  soweit  dem
nicht  besondere  Abmachungen  mit  der  Reichsbank  entgegenstehen.
Die  anderen  Anlagemöglichkeiten  dieser  angesammelten  Beträge,
wie  solche  in  deutschen  Anleihen,  oder  ihre  Verwertung  zur  Bezahlung ­
  von  Sachlieferungen  und  zur  Kreditierung  an  ausländische
Privatpersonen  bei  Ankäufen  deutscher  Sachgüter 1 ),  sind  für  diesen
Zusammenhang  weniger  wichtig.
Auf  Grund  dieser  großen,  ihm  so  zur  Verfügung  stehenden  Beträge ­
  wird  dieser  Agent  nun  einen  sehr  maßgebenden  Einfluß  auf
den  deutschen  Kapital-  und  Geldmarkt  auszuüben  in  der  Lage  sein.
Es  ist  anzunehmen,  wenn  sich  naturgemäß  auch  heute  darüber  noch
nichts  Bestimmtes  aussagen  läßt,  daß  der  Agent  bestrebt  sein
wird,  diese  Mittel  so  anzuwenden,  daß  damit  der  Zinsfuß  in  Deutschland ­
  hoch  und  der  deutsche  Kapitalmarkt  knapp  gehalten  wird.  „Denn
je  weniger  freies  Geld  in  der  deutschen  Wirtschaft  umläuft,  um  so
schneller  müssen  die  deutschen  Unternehmer  ihre  Devisen  abstoßen, ­
  um  so  stärker  werden  sie  gezwungen  sein,  sich  durch  verbilligtes ­
  Warenangebot  und  insbesondere  forcierten  Export  flüssige
Mittel  zu  schaffen;  daraus  wird  dann  für  den  Agenten  die  Möglichkeit ­
  erwachsen,  aus  dem  vergrößerten  Angebot  an  Exportdevisen
Transferierungen  vorzunehmen i)  2 ).“  Hat  man  doch  auch  schon  die
Meinung  vertreten,  daß  der  Agent  gerade  in  dem  Interesse  der  Transferierung ­
  auf  jede  Kreditgewährung  verzichten  könnte,  um  dadurch
den  Zinsfuß  in  Deutschland  möglichst  hoch  zu  treiben.  „Eine  derartige ­
  Höhe  des  Zinsfußes  würde  so  abschreckend  auf  die  Unternehmertätigkeit ­
  wirken,  daß  von  dem  jährlichen  Sozialprodukt  sehr
wenig  für  Neuinvestierungen  und  Erweiterungen  in  xVnspruch  gei) ­
  Vgl.  dazu  Dalberg,  Die  neue  deutsche  Währung  und  der  Dawes-Plan
Berlin  1924.  S.  41  ff.
*)  Dalberg,  a.  a.  0.  S.  48.
            
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