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Fünfter Abschnitt. Ausblick.
die unentbehrliche Einfuhr von Rohstoffen und Nahrungsmitteln, so
muß von unserer Seite die Ausfuhr in einem bis dahin nicht gekann
ten Umfange forciert werden. Da nun die Reparationszahlungen
nichts anderes bedeuten, als eine entsprechende Verringerung der
inneren deutschen Kaufkraft zugunsten der Empfangsländer, so muß
der Absatz der für den heimischen Markt arbeitenden Industrien zu
rückgehen. Es sind hier nun zwei Fälle denkbar. Entweder sind sie
der Natur ihrer Produktion nach imstande, sich auf die Ausfuhr
umzu stellen, oder nicht. Wenn das für sie nicht möglich ist, bedeutet
das für solche Unternehmungen eine Verengerung ihrer Wirtschafts
grundlage. Bei solchen Unternehmungen kann es darin so weit kom
men, daß sie dann als unrentabel ganz oder teilweise stillgelegt wer
den fnüssen. Die in ihnen bis dahin tätige Arbeitskraft und das vor
handene Betriebskapital werden solchen Industriezweigen Zuströmen,
welche in der Lage sind, ihre Ausfuhr zu vergrößern. Damit werden
sich Umstellungen und Störungen in manchen Industriezweigen er
geben, welche, je naph dem Umfang, den sie annehmen, zu einer all
gemeinen Krise in Deutschland führen können. Helander hat mit
Recht darauf hingewiesen, daß damit ganz neue Gesichtspunkte für
die Konjunkturbeurteilung und Konjunkturpolitik entstehen können,
wobei jegliche frühere Erfahrung fehlt 1 ).
Läßt sich ja doch heute kaum etwas Genaueres darüber aus-
sagen, nach welchen Richtungen hin sich diese Umgestaltungen voll
ziehen werden. Das hängt einmal von der Entwicklung der inter
nationalen Handelspolitik ab, dann aber auch davon, welche neuen
Absatzmärkte sich die deutsche Industrie erobern kann. Nur eines
wird sich mit Bestimmtheit Voraussagen lassen, daß nämlich die
Entwicklung der deutschen Ausfuhr nach der arbeitsintensiven Seite
hin gehen wird. Diese Entwicklung konnte man schon in den
letzten Jahren beobachten. Nach dem Kriege hat bekanntlich die
deutsche Ausfuhr einen erheblichen Rückgang erfahren, aber dieser
Rückgang war um so geringer, je mehr Arbeitslohn die betreffenden
Produkte enthalten haben. „Ein Rückgang ist im allgemeinen nur bei
solchen Waren zu verzeichnen, die weniger als Fertig-, denn als
Halbfabrikate anzusehen sind. So ist z. B. die Ausfuhr von Baum
wollgarn auf 22,8 v. H., die von Baumwollgeweben auf 45,6 v. H.
und die von Kleidung und Wäsche nur auf 88,5 v. II. der Ausfuhr
von 1913 zurückgegangen. Die Lederausfuhr beträgt nur 39,4 v. H..
dagegen die Ausfuhr von Schuhwerk, Sattler- und Lederwaren
86,1 v. H. der Friedensausfuhr. Die Ausfuhr von Stahl- und Form
U A. a. 0. S. 600.