Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

1.  Die  älteren  Krisentheorien.

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Teil  des  vorhandenen  Kapitals  brachgelegt,  vielleicht  sogar  vernichtet
wird.  Ein  Teil  der  vorhandenen  Produktionsmittel  würde  seine
Kapitaleigenschaft  verlieren,  d.  h.  vorhandene  Produktionsbetriebe
müßten  stillgelegt  werden.  Gleichzeitig  treten  jedoch  Momente  ein,
welche  wieder  nach  der  entgegengesetzten  Seite  hin  wirksam  sind.
Die  eben  dargelegte  Stockung  der  Produktion  hat  einen  Teil  der  Arbeitskräfte ­
  brach  gelegt.  Damit  tritt  eine  Verminderung  des  Arbeitslohnes ­
  ein  und  mit  dessen  Senkung  muß  der  relative  und  absolute
Mehrwert  wieder  steigen.  Der  durch  die  Krise  entstehende  Preissturz
und  der  dadurch  verschärfte  Konkurrenzkampf  stacheln  den  Kapitalisten ­
  an,  durch  Verwendung  neuer  Maschinen,  neuer  und  verbesserter ­
  Arbeitsmethoden,  den  Wert  seines  Gesamtproduktes,  d.  h.
die  Produktionskraft  eines  gegebenen  Quantums  Arbeit,  zu  steigern
und  damit  wieder  auf  eine  Hebung  der  Profitrate  hinzuarbeiten.  So
wird  wieder  eine  neue  Erweiterung  der  Produktion  vorbereitet;
denn  das  durch  die  frühere  Verminderung  der  Profitrate  und  die
hiermit  einsetzende  Krise  in  seinem  Wert  verminderte  Kapital  muß
seinen  alten  Wert  nun  wieder  gewinnen.  So  würde  unter  „erweiterten
Produktionsbedingungen,  mit  einem  erweiterten  Markt  und  mit  erhöhter ­
  Produktionskraft,  derselbe  fehlerhafte  Kreislauf  wieder  durchgemacht ­
  werden“.  „Und  so  würde  der  Zirkel  von  neuem  durchlaufen.“ ­
  Mit  dem  allergrößten  Nachdruck  hat  Karl  Marx  immer
wieder  diese  Periodizität  der  Krisen  betont.
Auch  Friedrich  Engels  hat  auf  dem  gleichen  Standpunkt  einer
notwendigen  Widerholung  der  Krisen  in  der  kapitalistischen  Wirtschaftsordnung ­
  gestanden  und  ihre  dauernde  Wiederkehr  vor  allem
auf  die  übermächtig  werdenden  Produktivkräfte  zurückgeführt.  Er
bat  es  auch  vor  allem  in  sehr  anschaulicher  Weise  verstanden,
die  verhängnisvollen  Wirkungen  dieser  großen  Krisen  darzulegen.  In
seiner  Streitschrift  gegen  Dühring 1 )  sagt  er  darüber:
„In  der  Tat,  seit  1825,  wo  die  erste  allgemeine  Krisis  ausbrach,
geht  die  ganze  industrielle  und  kommerzielle  Welt,  die  Produktion
und  der  Austausch  sämtlicher  zivilisierter  Völker  und  ihrer  mehr  oder
weniger  barbarischen  Anhängsel  so  ziemlich  alle  zehn  Jahre  einmal
aus  den  Fugen.  Der  Verkehr  stockt,  die  Märkte  sind  überfüllt,  die  Produkte ­
  liegen  da,  ebenso  massenhaft  wie  unabsetzbar,  das  bare  Geld
wird  unsichtbar,  der  Kredit  verschwindet,  die  Fabriken  stehen  still,
die  arbeitenden  Massen  ermangeln  der  Lebensmittel,  weil  sie  zu  viel
Lebensmittel  produziert  haben,  Bankerott  folgt  auf  Bankerott,  Zwangsverkauf ­
  auf  Zwangsverkauf.  Jahrelang  dauert  die  Stockung,  Pro-Q
  Herrn  Eugen  Dührings  Umwälzung  der  Wissenschaft.  3.  Aufl.  1894.
            
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