fullscreen : Magdeburger Großkaufleute

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Es  folgen  noch  weitere  4  Anfragen,  die  aber  schon  mehr  in  die  Einzelheiten
eingehen,  fo  daß  deren  Wiedergabe  zu  weit  führt.  Irn  Konzept  der  Antwort,
das  zufällig  als  Einlage  zu  dem  Briefe  vorhanden  ist,  finden  wir  aber  auch  nur
die  deshalb  allein  hier  wiedergegebenen  ersten  drei  Fragen  beantwortet.  Der
Bescheid  lautete  wie  folgt:
„Zu  1.  In  diesem  Jahre  hat  jemand  in  einer  in  der  Nähe  (von  Magdeburg)  liegenden
Fabrik  ans  100  tt  Runkelrüben  8  bis  8P  tt  Zucker  gewonnen,  wogegen  man  im  vorigen
Jahre  nur  5b2bis  6  tt  Zucker  erhielt  und  in  früheren  Jahren  noch  weniger.  Da  nun  aber
täglich  neue  Entdeckungen  in  der  Chemie  gemacht  werden,  fo  läßt  sich  wohl  erwarten,  daß  noch
mehr  als  81/2  tt  Zucker  aus  100  tt  Rüben  gewonnen  werden.
„Zu  2.  Die  Rüben  werden  nicht  roh  zur  Fabrik  geliefert,  weil  der  Fabrikant  in  der  Regel
in  der  Stadt  wohnt  und  keinen  Viehstand  hat,  um  die  Preßrückstände,  die  ein  herrliches  Futter
für  jedes  Vieh  geben,  mit  Vorteil  verwenden  zu  können.—  Der  ausgepreßte  Saft  kann  nicht
versandt  werden,  weil  er  sofort  Sauerstoff  aus  der  Luft  anzieht  und  dadurch  schwarz  und  zum
Einkochen  untauglich  wird;  er  muß  also,  unmittelbar  nachdem  er  ausgepreßt  ist,  eingedickt
d.  h.  zu  Sirup  eingesotten  werden.  Als  solcher  wird  er  von  den  Fabrikanten  gekauft.
Zu  3.  Kier  in  unserer  Gegend  hat  man  die  100  tt  Rüben  mit  6  bis  7  Sgr.  bezahlt.  Auf
einem  Magdeburger  Morgen  erntet  man  in  der  Regel  auf  gutem  Boden  3300  tt  von  der
kleinen  langen  Rübe,  welche  die  beste  zur  Zuckerfabrikation  ist.  Von  einer  größeren,  aber  bei
weitem  nicht  so  zuckerhaltigen  Rübe  kann  wohl  das  doppelte  geerntet  werden."
Glauben  wir  mit  diesen  Zeilen  manche  interessante  Einzelheiten  über  die
Zuckerfabrikation  vergangener  Zeiten  in  die  Erinnerung  zurückzurufen,  so  soll
die  kleine  Auswahl  von  Briefell,  auf  die  wir  uns  beschränkten,  ein  Auszug  alls
einem  unterm  9.April  des  Jahres  1841  an  einen  seiner  Brüder  gerichteten  Brief
beschließen,  der  uns  zeigen  mag,  wie  ernst  es  Zuckschwerdt  mit  seiner  Aufgabe
als  Vertreter  der  Magdeburger  Kaufmannschaft  nahm.
„Nichts  hat  mir  aber  seit  Jahre»  mehr  zu  schaffen  gemacht,  als  der  holl.  Tractat,  indem  die
Minister,  die  ihn  abgeschlossen,  ihren  dummen  Streich  nicht  einsehen  wollten,  und  demnach
auf  seine  Verlängerung  angetragen  haben.  Vor  3  Wochen  stand  ich  schon  mit  einem  Fuße
im  Wagen,  um  als  Deputirter  aus  alle  Fälle  den  König  selbst  zu  sprechen,  als  in  demselben
Augenblicke,  wie  ein  heiterer  Sonnenstrahl  aus  trübem  Gewölle  die  Nachricht  einging:  der
König  habe  das  Ansinnen  der  Minister  verworfen.  Dies  bestätigte  sich  auch  bald  durch  Maßregeln, ­
  die  der  König  verordnete,  um  die  Sache  genall  zu  prüfen,  z.  B.  Commissionen  in  allen
Provinzen  und  von  allen  Ständen,  um  ihr  inotivirtes  Gutachten  abzugeben  und  dergl.  Dies
lind  die  Petition  an  die  Stände,  die  jetzt  in  Merseburg  zusammen  sind,  und  die  vielen  Conferenzen,
  die  ich  deshalb  habe  halten  müssen,  nahm  mich  seit  3  Monaten  ungemein  in  Anspruch, ­
  und  iloch  immer  geht  es  so  fort!  Am  15.  d.  haben  wir  eine  General-Versammlung  aller
Rübenzuckerfabrikanten  der  Vereinstaaten,  etwa  140  an  der  Zahl,  die  hier  in  Magdeburg  zusammen ­
  kommen  werden.  Es  wird  beabsichtigt,  denl  neuen  Industrie-Zweige  eine  nloralische
Kraft  zu  geben,  die  Eintracht  zu  befestigen  oder  hervorzubringen  lind  eine  „intellektuelle  Gegenseitigkeit" ­
  zu  erzielen;  auch  soll  ein  gemeinschaftlicher  Foilds  gebildet  werden.  .  .  Sonach
sehen  wir  augenblicklich'mal  wieder  in  einen  heiteren  Kümmel  und  Koffnung  stärkt  uns!"
            
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