Full text: Einführung in das Studium der Konjunktur

2. Die Konjunktur während und nach dem Kriege. 
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überhaupt froh sein mußten, wenn es ihnen gelang, vor Substanz 
verlusten bewahrt zu bleiben. 
Unter den vielen Beispielen, die sich dafür beibringen ließen, 
sei nur darauf hingewiesen, daß in der Generalversammlung der 
Zellstoffabrik Waldhof im Juni 1923 mitgeteilt wurde, daß vor 
dem Kriege bei einem Aktienkapital von 32 Millionen Goldmark 
und einer Höchstdividende von 25 o/o die dafür zur Verwendung 
gelangende Summe dem Jahresarbeitsverdienst von 4000 Arbeitern 
entsprochen habe, während die für das Geschäftsjahr 1922 be 
schlossene Dividende in der Höhe von 300 o/ 0 nur dem derzeitigen 
Jahresarbeitslohn von 30 Arbeitern gleichkomme. 
Dieser immer stärkere Verfall der deutschen Währung, mit dem 
die ausgesprochene Periode der Scheingewinne einzusetzen begann, 
ein Zustand, dessen Wesen Industrie und Handel, Gesetzgebung und 
Rechtsprechung (Verordnung gegen Preistreiberei, Verkauf zu den 
Wiederbeschaffungskosten) viel zu spät erkannt und berücksichtigt 
haben, bewirkte, daß in weit stärkerem Maße und in weit kürzeren 
Abständen als in den allerersten Jahren nach dem Kriege sich die 
Kaufkraft der Mark änderte, und daß damit vielfach der Verkaufs 
erlös der Ware nicht mehr ausreichte, um sie von neuem zu er 
zeugen. Damit setzte auch vielfach sogar eine Periode der Sub 
stanzverluste und ein Rückgang der Produktionsfähigkeit im deut 
schen Wirtschaftsleben ein, unter deren Wirkungen auch diese 
privatwirtschaftliche Hochkonjunktur der ersten Nachkriegszeit, von 
der oben die Rede gewesen war, immer mehr dahinschwand. 
Zwar gingen Industrie und Handel immer mehr dazu über, den 
Verkaufspreis nach den Wiederbeschaffungskosten zu bemessen, 
aber diese Versuche setzten zu spät ein, wurden auch mangels ge 
nügender ökonomischer Einsicht in die Zusammenhänge der Preis 
bildung, von Gesetzgebung und Rechtsprechung bekämpft, so daß 
dieser Rückgang in der Produktionsfähigkeit nicht aufgehalten 
werden konnte. 
Erst später haben Industrie und Handel Wege eingeschlagen, 
auch das wollte gelernt sein, um sich bei schwankender Währung 
vor solchen Substanzverlusten und damit vor dem weiteren Rück 
gang ihrer Leistungsfähigkeit zu schützen. Diese Entwicklung be 
gann mit den Abmachungen über freibleibenden Preis und der Fest 
setzung einer Preisvorbehaltungsklausel in den Lieferungsverträgen, 
es wurden dann, wie z. B. von dem Nähgarnsyndikat und anderen 
Zweigen der Textilindustrie, gleitende Preislisten je nach dem 
Devisenstande eingeführt. Vielfach ist man dazu übergegangen, die 
Preisberechnung unmittelbar zu sogenannten Festpreisen "vorzu
	        
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