60 Zweiter Abschnitt. Der Ablauf der Konjunktur seit Gründung des Reiches.
nehmen, d. h. in: irgendeiner fremden Währung oder in einer sogenannten
kursgesicherten Mark, indem je nach den Schwankungen
des Dollarkurses auf die vereinbarten Preise ein Zuschlag erhoben
wurde. Das Wirtschaftsleben hat also die verschiedensten
Wege eingeschlagen, um wieder zu einigermaßen gesicherten Kalkulationsgrandlagen
zu gelangen 1 ).
Aber mit diesen immer stärkeren Schwankungen der Markvaluta
und ihrem immer weiteren Hinabgleiten trat noch ein weiterer Faktor
ein, der den jetzt einsetzenden Wandlungen in der Konjunktur
ein besonderes Gepräge verlieh. Es zeigte sich nämlich immer deutlicher,
daß ein in dem Maße in die Weltwirtschaft verflochtenes
Land wie Deutschland sich in der Gestaltung und Entwicklung seines
Preisniveaus in unlösbarer Abhängigkeit von dem Weltmärkte befindet
und daß demgemäß auch innerhalb Deutschlands die Gestaltung
der Preise, in vollkommener Abhängigkeit von den Schwankungen
der Währung, immer wieder den Weltmarktpreisen zustrebte,
Damit begann die Art der Konjunkturschwankungen einzusetzen,
welche man als Valutakonjunkturen bezeichnet hat und deren
Wesen darin liegt, daß sie ihre Ursachen durchaus auf der Geldseite
haben; Der einfache Zusammenhang ist dabei der folgende:
Eine Verschlechterung im Stande der Mark wirkt bei der
Warenausfuhr als Prämie und befördert damit die Absatzverhältnisse
der deutschen Industrie. Gleichzeitig beginnen im Inlande die
Preise, welche infolge Verflechtung Deutschlands in den Weltmarkt
immer die Tendenz haben, sich den Weltmarktpreisen anzupassen,
zu steigen, eine Tendenz, die noch dadurch unterstützt
und beschleunigt wird, daß nun das Publikum sich mit allen möglichen
Vorräten einzudecken sucht, ehe sich diese Preissteigerung
voll ausgewirkt hat.
Steigt der Wert der Markvaluta dann zeitweilig wieder, so tritt
die umgekehrte Bewegung ein. Die Preise vieler deutscher Waren
hatten in diesem Augenblick bereits mehr oder weniger die Weltmarktspreise
erreicht; mit der Hebung der Markvaluta stehen damit,
diese deutschen Preise über denjenigen des Weltmarktes, die Konkurrenzfähigkeit
der deutschen Industrie auf fremden Märkten hört
*) Für die Fragen dieser Preiskalkulation vergleiche weiter: Kalveram,
Die kaufmännische Rechnungsführung unter dem Einfluß der Geldentwertung.
Berlin 1923. — F. Schmidt, Der Wiederbeschaffungspreis des Umsatztages
in Kalkulation und Volkswirtschaft. Bertin 1923. — Walb, Das Problem der
Scheingewinne. Freiburg 1921. — Mahlberg, Bilanztechnik und Bewertung
bei schwankender Währung. 2. Aufl. Leipzig 1922 — Muhs, Preispolitik und
Preiskalkulation unter den Einwirkungen der Geldentwertung. Jena 1923.