62 Zweiter Abschnitt. Der Ablauf der Konjunktur seit Gründung des Reiches.
Ländern von einer Besserung der Konjunkturlage und einer Ab
nahme der Arbeitslosigkeit hörten.
Welchen Schwankungen, im Zusammenhänge vor allem mit
diesen Änderungen in der Bewertung der Markvaluta dabei die deut
schen Preise im Verhältnis zu denjenigen auf dem Weltmärkte unter
lagen, zeigen die beiden folgenden Tabellen. Die erste 1 ) gibt ein
Bild von dem Verhältnis des deutschen Inlandspreisniveaus zu
demjenigen des Weltmarktes und zeigt, welch starken Schwan
kungen und Zuckungen der Abstand beider ausgesetzt war, die
zweite * 2 ) Tabelle zeigt denselben Zusammenhang, jedoch nur auf
einzelne, ausgewählte Waren bezogen und nur verglichen mit der
Preisentwicklung in den Vereinigten Staaten.
Die Schwankungen in der deutschen Konjunkturlage hatten also
ihre Ursachen durchaus auf der Geldseite. Dabei wurden die Ände
rungen bei der letzteren nicht irgendwie aus der Entwicklung der
Wirtschaft heraus bewirkt, es waren vielmehr in erster Linie außen
politische Momente, welche auf diese Schwankungen im Werte der
Markvaluta und damit auf die Konjunkturlage den entscheidenden
Einfluß ausübten. Diese Konjunkturwandlungen hingen also keines
wegs mit dem inneren Gefüge und der Entwicklung unserer Volks
wirtschaft zusammen. Man kann also diese Ursachen in dem oben
dargelegten Sinne nicht als endogene, vielmehr nur als exogene
bezeichnen. Eine gewisse Ausnahme kann davon vielleicht nur in
soweit gelten, als diese Schwankungen im Wert der Mark in hohem
Maße auch davon abhingen, in welchem Umfange die deutsche
Handelsbilanz in einer bestimmten Periode aktiv oder passiv war.
Es wird hiervon nachher noch eingehender die Rede sein. Jeden
falls trugen diese Konjunkturschwankungen einen ganz anderen
Charakter als diejenigen der Vorkriegszeit. (Tabellen s. S. 63.)
Es ist oben bereits hervorgehoben worden, wie anregend der
Rückgang der Markwährung auf das Geschäftsleben in Deutschland
gewirkt hat, wie dadurch dasjenige in die Erscheinung trat, was oben
als privatwirtschaftliche Hochkonjunktur bezeichnet worden ist. Es
war dies eine Entwicklung, wie sie rein äußerlich in der großen Zahl
der Neugründungen in dieser Zeit zum Ausdruck kam. Es betrugen
in Deutschland nach Abzug der Löschungen die Neueintragungen
vori Unternehmungen im Monatsdurchschnitt der folgenden Jahre
1913 1921 1922 1923
Aktiengesellschaften ... 6 82 244 573
G. m. b. H 182 730 944 1034
Offene Handelsgesellschaften 953 ? 2595 2416
') Wirtschaft und Statistik. III. Jahrg. 1923. S. 189.
2 ) Ebenda S. 219.