W ashington.
Ks lohnt sich, einige Worte über die Hauptstadt dieses
mächtigen Reiches zu sagen. Denn ein Reich und kein Staat
ist es. Es giebt ausser den Einwanderern verschiedene
Nationalitäten, mehr als dies, verschiedene Racen hier, die je
zusammen compact wohnen : Anglo-Amerikaner überall, ausschliesslich
aber fast von Canada bis Washington und vom
atlantischen Ocean bis Illinois ; Germano-Amerikaner im Westen
bis zum Eelsengebirge ; Franco - Amerikaner und Schwarze
im Süden. Ferner giebt es keine Provinzen, sondern lauter
gleich und sehr hoch berechtigte Einzelstaaten mit Einzelparlament
und Administration nebst besonderen Steuersystemen.
Washington nun ist der Sitz jener Centralregierung, welche
seit Lincolns Erwählung immer grösseren Einfluss in den
Einzelstaaten zu gewinnen sucht. Die herrschende republikanische
Partei möchte aus dem Reiche mit föderativem Charakter
einen Staat machen ; sie macht Fortschritte, es gehen sogar
sogenannte „prominente“ Politiker des Südens zu ihr über, wie
es General Wahone gethan hat, der im Secessionskriege gegen
den Norden focht. Die Stadt Washington ist mit dem
Wachsen des centralistischen Geistes in der Union mitgewachsen
und keineswegs mehr jene todte und langweilige Stadt,
wie sie in Reisebeschreibungen gewöhnlich geschildert wird.
Sie ist sehr weitläufig angelegt. Ausserordentlich breite
Strassen von kaum absehbarer Länge ziehen sich in der Ebene
am Potomac hin. Die Häuser, obschon stattlich, doch selten
mehr als drei Stock hoch, sehen zu klein für die Breite der