Object: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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spruch erhob wie gegen den Kornausfuhrzoll, der seit 1505 als so- 
genanntes Congiegeld gefordert wurde, so lag dieser Haltung der 
Stadt zugrunde vornehmlich der Gedanke, die Ostseefahrt, die 
einerseits das Getreide, ferner Eisen, Schiffsbedürfnisse, Holz, 
Wachs usw. lieferte, andererseits aber auch für die Ausfuhr westlicher 
Erzeugnisse ein wertvolles Absatzgebiet darstellte, zu behaupten*). 
Bei der Begründung ihrer Freiheit bestand in den nördlichen 
Niederlanden zweifellos eine handelspolitische Tradition. Sie 
knüpfte an den städtischen Charakter des niederländischen Wirt- 
schaftslebens an, dessen wir schon oben gedachten?). 
Wies schon die geographische Lage die Niederlande auf eine vor- 
wiegend handels- und verkehrspolitische Anschauung hin, so wirkte 
auch das Beispiel der Hanse, des norddeutschen Städtebundes, 
gewiß auf die Niederländer bestimmend ein. Wenn man auch den 
monopolistischen Handelsgeist der Hanse bekämpfte, weil er viel- 
fach die niederländischen Interessen verletzte®), so ist es doch irrig, 
zu meinen, daß diese Monopolsucht von den Niederländern aus 
theoretischer Erkenntnis abgelehnt wurde; sie haben selbst, wo 
es ihnen nützlich schien, bis ins 19. Jahrhundert hinein mono- 
polistische Ideen in die Tat umgesetzt. Allerdings war die Hanse 
nicht selten der Konkurrent der Niederlande und handelspolitisch 
wurden diese immer mehr zu Gegnern der Hanse. Das wirtschaft- 
liche Übergewicht, das die Hanse in der Ostsee bis in den Anfang 
des 16. Jahrhunderts ausübte, fand schon im Beginn des 15. Jahr- 
hunderts seine Gegner in den Holländern, die seit dem 14. Jahr- 
hundert hier als Vertreter ihres ausgedehnten Ausfuhrgewerbes 
auftraten*). Die Folge war, daß die hansische Handelspolitik, 
geleitet von Lübeck, dem holländischen Ostseeverkehr andauernd 
Hindernisse in den Weg legte, was zwischen 1422 und 1534 zu vier 
Seekriegen führte. In diesen Kämpfen, in denen Dänemark auf der 
1) Vgl. Naude, Getreidehandelspolitik, I, 316 ff. Über das Congie- oder 
Verlofgeld vgl. Sickenga, Bijdrage, S. 89ff.; ter Gouw, Amsterdam, IV 
353 ff. Über den Ostseeverkehr der Niederländer im 16. Jahrhundert vgl. van 
Ravesteyn, Onderzoekingen, S. 363 ff. Verviers, Handelspolitiek, S. 32 
erachtet den holländischen Ostseeverkehr vor dem 16. Jahrhundert als verhältnis- 
mäßig unbedeutend. Eingehend auch Unger, S. 251 ff. 
?) Vgl. oben. S. 4ff. 
°) Koenen, De vroegere en latere nederl. Handelspolitiek, S. ı2. 
*‘) Vgl. Haepke, Untergang der Hans. Vormachtstellung, S. 90 ff. 
Baasch, Holländische Wirtschaftsgeschichte. Va 
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