Object: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Aufschwung des Königtums unter den Staufern. 149 
mütig fiel er dem Kaiser zu Füßen: aber der Kaiser richtete ihn 
unter Thränen auf und umarmte ihn. Er ward von deutscher Erde 
verbannt, solange es dem Kaiser belieben würde, doch blieb 
sein Geschlecht im Besitze der braunschweigischen und lünebur— 
gischen Kernlande des Nordens. 
Heinrichs Sturz zog eine völlige Veränderung der inneren 
Lage in Deutschland nach sich. Schon bei seiner Achtung waren 
seine Lehen verfallen und an andere verteilt worden. Im Norden 
erhielt Erzbischof Philipp von Köln, der Nachfolger Reinalds, 
ein neues Herzogtum Westfalen, das aus dem Herrschaftsgebiete 
des sächsischen Herzogtumes südlich der Lippe gebildet ward. östlich 
der Weser nahmen alle Bischöfe die großen Lehen und Vogteien 
zurück, die sie dem Gestürzten allmählich hatten verleihen müssen. 
Der Rest der nördlichen Herrschaft im Mutterland, der dann 
übrig blieb, wurde an Albrecht von Anhalt, den Sohn Albrechts 
des Bären, als stark verkürztes Herzogtum Sachsen verliehen. 
Im Süden, in Baiern, wurde das welfische Machtgebiet nicht 
minder zerstückelt. Steiermark, schon länger ziemlich frei in 
seinen Bewegungen, wurde ein selbständiges Herzogtum, nicht 
minder das Tiroler Gebiet der Grafen von Andechs, bald Herzog⸗ 
tum Meran benannt; andere Stücke des Landes wurden zum 
staufischen Besitz geschlagen. Den Rest erhielt der Pfalzgraf Otto 
von Wittelsbach, der Ahnherr des bairischen Königshauses, als 
bairisches Herzogtum; doch wurden auch hier alle von Heinrich 
zusammengebrachten kirchlichen Lehen den Bischöfen wiederum 
zugestellt. 
Zu einer vollen Revolution fürstlichen Besitzes gab somit 
der Fall Heinrichs des Löwen Anlaß. Vorgenommen aber 
wurde die Umwälzung in derselben Meinung, die schon der 
Verselbständigung Osterreichs im Jahre 1156 zu Grunde gelegen 
hatte: die alten Stammesherzogtümer wurden nicht mehr ge⸗ 
duldet, an ihre Stelle trat eine größere Anzahl mittlerer, teil⸗ 
weis mit dem Herzogstitel ausgestatteter Territorien. Diese 
neuen Länder waren im ganzen nicht größer, als die Herrschaften 
der Pfaffenfürsten; eine wesentliche Gleichsetzung des einzelnen 
Laienfürsten mit dem Pfaffenfürsten war somit erreicht; es
	        
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