150 Neuntes Buch. Erstes Kapitel.
erschien fürder kaum möglich, daß einzelne Laienfürsten ihre
Laiengenossen wie die Pfaffenfürsten völlig beherrschten. Aber
noch weit über die in diesem Verhältnis liegende Begünstigung
hinaus waren die Pfaffenfürsten begnadet worden: der Erz—
bischof von Köln hatte ein Herzogtum erhalten, fast die Mehr—
zahl aller Bischöfe erschien durch Rückfall von Lehen territorial
gekräftigt.
Bedenkt man, daß zu gleicher Zeit eine Verschiebung des
Fürstenbegriffes aus sozialen Gründen den Pfaffenfürsten ein
dauerndes numerisches Übergewicht über die Laienfürsten sicherte!,
so kann kein Zweifel darüber sein, wo Friedrich seit dem Jahre
1180 die Stützen einer kräftigen Reichspolitik zu suchen hatte
und suchte. Bischöfe hatten seine letzten Kriege vornehmlich
geführt; Bischöfe waren schon längst seine ersten Diplomaten;
Bischöfe hatten den Frieden von Venedig herbeigeführt und den
Sturz des welfischen Verräters. Mit ihnen, mit ihrer viel—
verteilten Macht war Friedrich, nun unbestrittener Beherrscher
der größten deutschen Hausmacht, zu gehen entschlossen. Es
war die Kombination der späteren Zeiten Ottos des Großen?;
und wie damals, so führte sie jetzt zu einer italienischen Politik
universalen Charakters.
Hatten die Lombarden im Verein mit Alexander III. neben
ihrem heimischen Herd die universale Stellung der Kirche ver⸗
teidigt, war ihnen demgemäß die allgemeinste Unterstützung zu—
geflossen: jetzt waren sie dem deutschen Herrscher gegenüber
vereinsamt. Sie begriffen diese Lage um so mehr, als Friedrich
unter dem Adel Oberitaliens mit Erfolg schon wieder Bundes—
genossen zu werben begann; ihre Friedensbereitschaft wuchs
von Tag zu Tag. So kam es seit Ende 1182 zu Verhand—
lungen, ihnen folgte am 25. Juni 1188 der formelle und
endgültige Friede auf einem Reichstag zu Konstanz.
1S. oben S. 86 ff.
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