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Übersicht 64
Aufkommen an Umsatzsteuer und daraus errechneter steuerpflichtiger Umsatz im Deutschen Reich
1924 bis 1929
Jahr
1924, ....
LOB aa
1926...
1927.....
1928, ....
1929. ....
Insgesamt '
1. Vierteljahr
2. Vierteljahr ı 3. Vierteljahr |] 4. Vierteljahr
Steuer | Umsatz
in Mill, | in Mrd.
RAM AM
Steuer
in Mill.
HH
Umsatz
in Mrd.
AM
Steuer
in Mill.
AM
Umsatz
in Mrd.
AM
Steuer ı Umsatz
in Mill. | in Mrd.
AM RM
8 9
Steuer | Umsatz
in Mill. | in Mrd,
RM | RM
10 ] 11
2
‘)
i 888 76,7 400 15,2 447 17,1
1531 106,8 405 25,5 408 25,6
899 109,7 250 24,1 205 26,9
937 125,0 214 28,6 224 29,8
007 134,3 242 32,2 243 32,4
1006 | 134,2 233 31.1 | 246 32,9
509 19,+
410 26,2
212 28,0
238 31,8
255 34,1
258 | 3431
5321 24,9
308 29,5
232 30,7
261 34,8
267 35,6
269 35,9
Aus dem Aufkommen der Umsatzsteuer lassen sich die versteuerten Umsätze der Wirt-
schaft errechnen. Überblickt man an Hand der so gewonnenen Umsatzzahlen die Um-
satzentwicklung in Deutschland seit der Währungsstabilisierung, so sind vier Abschnitte
deutlich erkennbar. .
Der erste Abschnitt reicht vom 1. Vierteljahr 1924 bis zum 4, Vierteljahr 1925. In
dieser Zeit stieg der durch die Umsatzsteuer wertmäßig erfaßte Umsatz um 94,1 vH, von
15,2 Mrd. AM auf 29,5 Mrd. AM. Ein langsames Wiedereinsetzen normaler
Wirtschaftsverhältnisse (Wiederauffüllung der Läger) kennzeichnet diesen Zeitabschnitt.
In dem darauffolgenden Abschnitt, der sich vom 1. bis zum 3. Vierteljahr 1926 er-
streckt, liegt der Umsatz tiefer als im Jahre 1925, und zwar erreicht er seinen tiefsten
Stand im 1. Vierteljahr 1926. Diese Erscheinung steht unmittelbar im Zusammenhang
mit der rückläufigen Konjunktur, die gleichzeitig auch Preisrückgänge zur Folge hatte.
Mit der Beendigung der wirtschaftlichen Depression Ende 1926 nimmt der Umfang
der Umsätze langsam wieder zu und erreicht, nur durch eine leichte saisonbedingte Sen-
kung der Umsätze im ersten Halbjahr 1927 und 1928 unterbrochen, im letzten Viertel-
jahr 1928 einen neuen Hochstand. Diese Umsatzbewegung bringt die Erholung der
Wirtschaft seit Anfang 1927 deutlich zum Ausdruck, wobei allerdings auch eine teilweise
starke Erhöhung des inländischen Preisniveaus nicht ohne Einfluß blieb.
Der vierte Zeitabschnitt umfaßt das Jahr 1929 und steht unter dem Zeichen ‚einer
gewissen Stagnation. Die aus der Umsatzsteuer errechneten Umsätze zeigen gegenüber
dem Vorjahr keine wesentliche Veränderung, sie liegen in der zweiten Hälfte des Jahres
noch ein wenig über dem Stand von 1928. Tatsächlich hatte aber ein mengenmäßiger
Rückgang der Umsätze bereits Ende 1928 eingesetzt. Diese Gegenbewegung von Umsatz-
wert und Umsatzmenge erklärt sich daraus, daß die stattgefundene starke Hebung des
Gesamtpreisniveaus eine wertmäßige Umsatzsteigerung bei sinkender Umsatzmenge er-
möglichte. *
Von Interesse ist eine Darstellung des Umsatzsteueraufkommens in den Landesfinanz-
amtsbezirken. Sie gibt insbesondere Aufschluß über den Umfang, in dem die einzelnen
Landesfinanzämter zu dem Reichsergebnis beitragen. Da der Steuersatz in den Jahren
1927 bis 1929 unverändert geblieben war, lassen sich aus dem Umsatzsteueraufkommen:
auch ohne Umrechnung mit dem Steuersatz, Schlüsse auf den Wirtschaftsablauf ziehen
(Übersicht 65). .
Unter den 26 LFA.-Bezirken steht Berlin mit rd. 13 vH des Umsatzsteuerauf“
kommens im Deutschen Reiche bei weitem an der Spitze. Ihm zunächst kommen die de?
Hauptteil des rheinisch-westfälischen Industriegebiets umfassenden LFA.-Bezirke Düssel-
dorf und Münster und dann der ebenfalls ein hoch entwickeltes Handels- und Industrie
zentrum umfassende LFA.-Bezirk Leipzig. An letzter Stelle stehen hinsichtlich des Um-
satzsteueraufkommens die Landesfinanzämter Oldenburg, Unterweser, Oberschlesien und
Mecklenburg-Lübeck mit einem Anteil am Reichsaufkommen von rd. 0.5 bzw. 1 bzw
1.2 vB.