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dern auch .. in bestimmten konkreten Gütern der und der Art
und Menge zum Behufe der Bedürfnisbefriedigung überwiesen werden
müßten, Damit wäre jede Freiheit des Konsums, jede freie Wahl der Güter
hierfür geopfert. Um die abschreckende Ungeheuerlichkeit eines selchen
Systems zu vermeiden, hat man indessen auch im Sozialismus an eine Art
Geld, ein sogenanntes Arbeitsgeld gedacht, welches diese Freiheit des Kon-
sums mindestens in gewissen Grenzen bestehen ließe‘ (S. 142). Und derselbe
Exkurs schließt: „Also Schritt für Schritt weiter auf dem Zwangswege.
Wollte man davon absehen, so bliebe nichts anderes übrig als, die
Taxen der einen nicht oder weniger, als zum vollen Absatz nötig ist, nach-
gefragten Güter zu ermäßigen, um ihren Absatz zu erzielen, die Taxen der
stärker begehrten Güter entsprechend zu erhöhen, um die Nachfrage danach
einzuschränken. D. h. man wäre auch bei dem sozialistischen Arbeitsgelde
wieder zum „Marktgesetz‘“ des freien Verkehrs, Angebot
und Nachfrage und Regelung der Preise danach, zurückgekehrt! ... Es
wäre damit ,. der Grundgedanke des sozialistischen Arbeitsgeldes ad ab-
zurdum geführt‘ (S, 143). Genau dasselbe Entweder-Oder drückt Wag-
ner hier aus, was Kropotkin in dem einen Satze zusammendrängt,
daß „die Nation oder die Kommune, die sich eine derartige‘ (kollektivistische)
„Organisation gibt, gezwungen sein würde, entweder zum Privateigentum
zurückzukehren oder sich unmittelbar in eine kommunistische Gesellschaft
ımzugestalten‘‘ (Brot, S. 129).
Jeder Versuch also, das Geld allein seines Dienstes als
Rechenmittel zu entheben oder diese Funktion in ihrer Eigen-
art zu verändern, zeugt nur von der mangelnden Einsicht des
betreffenden Reformators in das Wesen des Geldes und der Geld-
wirtschaft und bleibt entweder gänzlich wirkungslos oder führt mit
unausweichlicher Notwendigkeit zur völligen Beseitigung des Geldes,
zur Großnaturalwirtschaft. Der Kollektivismus ist eines derjenigen
Wirtschaftssysteme, dessen praktische Durchführbarkeit man nicht
zu erörtern braucht, weil er als „sozialistische Geldwirtschaft“ einen
unlösbaren Widerspruch in sich enthält,
Mises äußert sich in diesem Sinne: „In der sozialistischen Wirt-
schaft, die zwar nicht notwendigerweise das Geld vollständig beseitigen muß,
wohl aber den Ausdruck der Preise der Produktionsmittel (einschließlich
der Arbeit) in Geld unmöglich macht, kann das Geld in der Wirtschaftsrech-
nung keine Rolle spielen‘ (S. 102; man darf hinzufügen, daß das Geld, das
nicht Preisausdrucksmittel ist, auch seine Existenzberechtigung als Um-
tauschmittel einbüßt: wo keine Geldpreise, da gibt es auch keine Geldzahlun-
gen). Während Mises nun aber eine sozialistische Wirtschaft, weil sie ohne
einheitliche Wertrechnung „bestenfalls auf vage Schätzungen‘ angewiesen
sei, überhaupt nicht für lebensfähig hält, glaubt Neurath fest an eine
„Wirtschaftsordnung, in welcher Produktion und Verteilung ohne Zugrunde-
legung eines einheitlichen Maßes, weder des bisherigen Geldes, noch eines
Arbeitsgeldes, noch sonst einer ähnlichen Einrichtung geregelt werden‘‘
‘Kriegsw.. S. 171: näheres hierüber vgl. unten im Schlußkapitel. IIN.