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deren Produkte zu erteilen, das für sie der Typus und das Muster aller anderen
werden wird ... Auri sacra fames! verfluchtes Gold! ruft lustigerweise ein
Kommunist aus. Man könnte ebensogut sagen: verfluchter Weizen, verfluchte
Weinstöcke, verfluchter Hammel, denn ebenso wie Gold und Silber muß
jeder Warenwert zu einer genauen, scharfen Bestimmung gelangen‘‘ (I, S. 67).
Marx hat hierauf zur Antwort gegeben, „daß das Beispiel vom Golde als
Darstellung des zu seiner Konstituierung gelangten Wertes von Herrn Proud-
hon nur gewählt wurde, um .. nachzuweisen, daß jede nach ihren Pro-
Auktionskosten abgeschätzte Ware Geld werden müsse. Alles das wäre
schön und gut, bestände nicht der kleine Übelstand, daß gerade Gold und
Silber in ihrer Eigenschaft als Münze (als Wertzeichen) von allen Waren
die einzigen sind, die nich t durch ihre Produktionskosten bestimmt werden;
and das ist so sehr richtig, daß sie in der Zirkulation durch Papier ersetzt
werden können‘ (Elend, S. 66).
Die Marxsche Kritik zeigt den letzten Grund auf, warum
Proudhons Refoörmpläne keinen Erfolg haben konnten. Denn
aus der hier gerügten Verkennung der Natur des Geldes über-
haupt erklärt sich weiter seine Auffassung von Sparen und
Kredit. Die Verwendbarkeit des Geldes im Dienste der Kapital-
bildung: als gesellschaftstechnisches Hilfsmittel beim Anhäufen
vorgetaner Arbeit, ist Proudhon ganz unbekannt:
„Was die Gesellschaft betrifft, so ist die Spar kasse, die auf der
Fiktion von der Produktivität des Kapitals beruht,
der deutlichste Beweis für die verderblichen Wirkungen dieser Funktion.
Wenn die Einzahlungen aller Sparkassen auf ı Milliarde steigen, so macht
das zu 3%% 35 Milıionen Steuern (!), die zum Budget hinzukommen und auf
die Steuerpflichtigen zu verteilen sind ... Nehmen wir an, der Staat
ahme die Depositenbank nach und verwahre (!) die seinem Schutze anver-
trauten Gelder, ohne sie anzurühren. Nach 20 Jahren wird er mit Zins und
Zinseszins zwei Milliarden statt einer schuldig sein. Also am Ende Bankrott,
anvermeidlicher Verlust der Hälfte der geschuldeten Summen, ohne irgend-
einen Vorteil für den Staat... Es leuchtet ein, daß der Staat eine so ungün-
stige Stellung nicht einnehmen kann. Er muß also, um sich keine zu große
Last aufzulegen, die Ersparnisse des Volkes auf den öffentlichen Haushalt
verwenden (!); was darauf hinauskommt, die Sparkasse in eine beständige
offene Anleihe zu verwandeln, mit unaufhörlichen Ein- und Ausgängen,
die aber nie gänzlich zurückbezahlt wird... Auf Seiten der Einzahlen-
den ist die Sparkasse ein nicht weniger kräftiges, nicht weniger sicheres
Mittel des Elends... Man sagt zu dem Armen: Dulde noch mehr, ent-
halte dich, faste, sei noch ärmer, noch blanker und bloßer; verheirate dich
nicht, liebe nicht: damit der Herr ruhig auf Deiner Resignation schlummern
und das Hospital dich am letzten Tage ohne Verlust aufnehmen kann...
Der philanthropische und eingestandene Zweck der
Sparkasse ist, dem Arbeiter eine Hilfsquelle in Sicherheit zu bringen
wider die Zufälligkeiten, die ihn bedrohen: Teuerung, Krankheit, Feiern,
Lohnherabsetzung ... Der ökonomische und geheime Zweck
der Sparkasse ist, vermittelst einer zurückgelegten Summe (!) die