Erster Teil.
Das Wesen des Geldes.
2. Kapitel.
Die Dienerrolle des Geldes als Mittler am Markt.
1.
Was ist der Sinn des Geldes? So lautet unsere erste Frage.
Nicht etwa nur: Was ist Geld? Denn da könnte man ausweichend
antworten: Geld ist alles, was in der historischen Wirklichkeit
diesen Namen trägt. Für den Geschichtsschreiber mag €s genügen,
daß eine Erscheinung als Geld bezeichnet wird; wir dagegen
dürfen den Namen eben nur als ein Zeichen nehmen und müssen
untersuchen, wofür er ein Zeichen ist, was er meint. Wenn ich
einem Gegenstand die Bezeichnung Geld zulege, so ist das der
Ausdruck einer Sinngebung; die Bestätigung, daß ich das indi-
viduelle Ding in ein ganz bestimmtes Bewußtseinsfach einordne.
Und diese Einfächerung wieder ist nicht etwa willkürlich; es wäre
„widersinnig‘“, einen Taler ein Rad zu nennen, nur weil er wie
dieses rund ist.
Unsere Aufgabe ist daher: die Bezeichnung Geld sinn-
gemäß zu deuten. Wir können sie nur lösen, wenn wir auf das
sinngebende Bewußtsein, die „originär gebenden Akte“
(Husserl) zurückgehen, in denen wir das Geld in seiner Eigenart
erschauen. Keineswegs kommen alle unsere Erlebnisweisen dafür
in Betracht. So z. B. nicht das schlichte Wahrnehmen: Ein
Fünfpfennigstück sieht einer Spielmarke weit ähnlicher als einem
Darlehnskassenschein; trotzdem bildet es nicht mit der Marke,
sondern mit dem Schein eine Sinneseinheit. Auch pflegen wir
das Geld überhaupt nicht bloß in einfacher Wahrnehmung zu er-
leben, sondern treten ihm in der Regel wertend gegenüber;
wenn wir Geld sehen oder von ihm hören, sind wir in bestimmter
Weise interessiert. Das Wesen des Geldes offenbart sich nicht im
Wahrnehmen, sondern im „Wertnehmen“ (Dietrich Hildebrand).