Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

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Die Schatzbildung (Hortung, Thesaurierung, Fondsbildung) er- 
scheint bei oberflächlicher Würdigung als ein durchaus „wirtschaft- 
liches“ Verhalten. Heißt doch wirtschaften: das Mißverhältnis 
zwischen den menschlichen Bedürfnissen und den zu ihrer Be- 
friedigung verfügbaren Mitteln ausgleichen, indem man mit diesen 
„haushält“ und „sparsam umgeht“. Sparen im engeren Sinne wieder 
ist das Noch-nicht-verbrauchen, das Warten auf die Nutzung. Vor 
allem reden wir gerade vom „Zurücklegen des Sparpfennigs“, des 
„Notgroschens‘“; im täglichen Sprachgebrauch schon sehen wir das 
Geld als besonders geeignetes „Sparmittel“ gewürdigt. Die dem 
Gelde scheinbar eigene Unbegrenztheit der Kaufkraft ist es, die 
zu dieser Auffassung führt: die räumlich und zeitlich unbegrenzte 
Möglichkeit ihrer Geltendmachung. Nichts zwingt ja am Gelde 
selbst zur Ausgabe; also mindere auch keine Aufspeicherung, so 
folgert man, die Kaufkraft, beeinträchtige den Wert des Geldes, 
Wenn nur das Äußerliche, der Geldstoff erhalten werde (und selbst 
Papier kann lange lagern), — die Kaufkraft brauche sich dann in 
Jahrzehnten nicht zu ändern. So mißt Stephinger dem Gelde 
„völlige subjektive und objektive Gleichheit und Unzerstörbarkeit“ 
bei. Trifft diese Auffassung nun aber das Wesen der Sache? 
Wird sie nicht gerade heute durch die tatsächlichen Ereignisse 
schlagend widerlegt? Freilich hat das Talerstück aus dem Jahre 
1875, das, der Bauer noch immer nicht aus dem Kasten hervor- 
geholt hat, sondern als seinen Schatz behütet, durch das Aufheben 
nicht gelitten: sein Stoffgewicht und sein Nennwert sind gleich 
geblieben; aber die Kaufkraft, — ja, ist die nicht, weit entfernt 
von aller Minderung, sogar um ein Vielfaches gestiegen? Es ist 
derselbe Taler und doch wieder etwas anderes. Andere Güter ver- 
derben bei langer Aufbewahrung, und der Taler hat im Gegenteil 
„geheckt“. Ist diese Vermehrung jedoch wiederum wesensnotwendig 
oder nur zufällig? Liegt sie in der Natur des Geldes, oder ist sie nur 
eine Folge äußerer Umstände? Konnte der Taler nicht ebenso- 
gut an Wert verlieren? Oder wirkt die Aufspeicherung von Geld 
als solche wertsteigernd? Hier ist der Punkt, an dem unsere Unter- 
suchung noch weitere Klarheit schaffen muß. . 
Die Stellung der Geldtheoretiker zur Frage der Geldhortung: Wird 
von den einen die „eigentümliche Doppelrolle des Geldes als Tauschmittel 
bzw. Zahlungsmittel und Sparmittel‘“ (Gr un tz el) anerkannt, so bestreiten 
andere die Selbständigkeit dieser Funktion, der Verwendung als ‚Wert- 
aufbewahrungsmittel‘“. Mises will sie wie die Zahlungsmittelfunktion auf 
den Gebrauch des Geldes zu Umtauschzwecken zurückführen: „Sobald die 
Ühung. ein bestimmtes wirtschaftliches Gut als Tauschmittel zu verwenden,
	        
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