Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

mäßig erweisen, statt erst Papiergeld auszugeben, um für dieses Naturalien 
zu empfangen, die Bürger dann zu besteuern und mit dem so empfangenen 
Papiergeld neuerlich Naturalien zu kaufen, — eine direkte Natura 1- 
besteuerung vorzunehmen, und die so empfangenen Naturalien sofort 
zur Heeresverpflegung oder sonst zu Kriegszwecken zu verwenden ... Es 
sei auch daran erinnert, daß in belagerten Städten nicht selten die Bürger 
von Staats wegen verpflegt werden; hierzu kommt, .daß die 
Heeresverwaltung ja bereits in Friedenszeiten einen großen, wohl durch- 
gebildeten naturalwirtschaftlichen Apparat besitzt, der gewissermaßen nur 
ainer Ausdehnung auf die Zivilbevölkerung bedarf‘ (Kriegsw., S. 22 /23)- 
Auch „wäre denkbar, daß man in den einer geordneten Verwaltung unter- 
liegenden Landesteilen — seien sie nun feindliche oder solche des eigenen 
Landes — eine Art Requisitionsordnung einführt, die der 
Steuerordnung zu vergleichen wäre. Soweit gegen Schein requiriert wird, 
wäre diese Requisition als Naturalzwangsanleihe zu charakteri- 
sieren‘‘ (ebenda, S. 96). 
Der Höhepunkt dieser unmittelbaren Beschaffung des Kriegs- 
bedarfs ist erreicht, „wenn die Regierung die unmittelbare Ver- 
sorgung der Bevölkerung und der Armee mit Nahrungsmitteln 
verfügt“. Damit ist die Großnaturalwirtschaft grundsätzlich ge- 
geben; denn im Sinne Neuraths läuft diese — mindestens als 
Kriegswirtschaft — „in letzter Linie darauf hinaus, daß der Staat 
Naturalien als Steuern, Anleihen usw. erhält und die Gehälter usw. 
in Naturalien ausbezahlt“. 
Neurath hebt dabei hervor, „daß an sich auch eine Naturalwirt- 
schaft mit freier Konkurrenz denkbar ist, daß dieselbe aber im Kriegsfalle 
kaum sehr viele Vorzüge vor der Geldwirtschaft mit freier Konkurrenz haben 
Aürfte‘‘ (Kriegsw., S. 909). 
Selbstverständlich würden sich die naturalwirtschaftlichen 
Maßnahmen des Staates nicht nur auf die unmittelbare Bedarfs- 
deckung zu erstrecken haben, sondern auch im weitesten Umfange 
der vorbereitenden „Sicherung des Realienbedarfes für den 
Kriegsfall“ zu dienen haben. 
Neurath erwähnt in diesem Zusammenhange ‚die Notwendigkeit, 
einen allgemeinen Mobilisierungsplan auszuarbeiten, der nicht nur die Armee 
umfaßt, sondern auf die gesamte soziale Struktur und auch auf die verbün- 
deten Staaten Rücksicht nimmt‘ (Kriegsw.. S. 104). 
Von „praktischen Fragen dringendster Art steht an erster 
Stelle die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und 
Kohlen“, namentlich in den Großstädten, und insbesondere die 
Getreideversorgung. Ein „Magazinsystem“, eine „Fuhrwerkspolitik“ 
und die „Zentralisierung der Brotbereitung“ werden notwendig, vor 
allem die obriekeitliche Regelung des Außenhandels: das Ausfuhr-
	        
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