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lichen Modalitäten des Umtauschs bezieht: auf die rechtliche
Übertragbarkeit, die Verfallzeit, den Zahlungsort, — während die
Neurathsche Verringerung der Kaufbreite eine Bindung der
Gegenleistungen: der gegen das Geld einzutauschenden Waren
und Dienste bedeutet.
Neurath hat den „Begriff der Kaufbreite des Geldes neu
eingeführt und ihn der Kaufstärke gegenübergestellt: Wir sagen von
siner Geldsumme, ihre Kaufbreite sei unbeschränkt, wenn man für sie
Waren aller Art kaufen kann; wir sagen, ihre Kaufbreite sei beschränkt,
wenn man für sie bestimmte Waren nicht kaufen kann. Kann man für eine
bestimmte Geldsumme nur eine Warenart kaufen, so ist das Geld zu
einer Naturalanweisung geworden, welche aber nach Geldein-
heiten berechnet erscheint. — Wenn man für dieselbe Geldmenge mehr
Stück einer Ware kaufen kann als vorher, so wollen wir sagen, die Kauf-
stärke des Geldes gegenüber dieser Ware ist gestiegen. Der übliche Aus-
druck Kaufkraft bezieht sich im allgemeinen auf das Verhalten des Geldes
der Warengesamtheit gegenüber‘ (Kriegsw., S. 183). Neurath stellt eine
tatsächliche „allgemeine Verringerung der Kaufbreite des Geldes durch die
Kriegsverhältnisse sowohl im zwischenstaatlichen wie im innerstaatlichen
Verkehr“ fest: zwischenstaatliche, „weil es wenige Waren gibt, welche nicht
Ausfuhrverboten unterliegen, die im allgemeinen nur durch Kompensations-
abmachungen durchbrochen werden‘; innerstaatlich ‚durch alle Arten von
Rationierung‘‘ (ebenda, S. 184). Mit Recht bekämpft Neurath die An-
sicht, daß es sich hier nur „um Veränderungen innerhalb der Geld-
ordnung, nicht um solche der Geldordnung selbst handle. Daß ein
solcher Wandel eingetreten ist, beweist die Tatsache, daß Schweden Gold-
zahlungen in Verbindung mit währungspolitischen Vorgängen ablehnte,
oder daß Bauern Geldzahlungen ablehnten. Wäre die Geldordnung unver-
ändert geblieben, so könnte der äußerste Mangel keinen Anlaß bieten, Geld-
zahlungen irgendwelcher Art abzulehnen, sondern nur dazu führen, daß die
Preise bis zum äußersten ansteigen ... Die Forderung sofortiger Zahlung
eines naturalen Gegenwertes ist ein Ergebnis der Rationierung, der
Ausfuhrverbote, kurzum aller Erschwerungen, die Waren für Geld erhalten
zu können, die man benötigt... Wir müssen uns daran gewöhnen, daß
innerhalb desselben Geldeinkommens die Geldstücke verschiedene Kauf-
breite und, verschiedene Kaufstärke haben können. So kann es vorkommen,
daß Marmelade, auf Karten gekauft, billiger ist als ohne Karten gekaufte
Marmelade‘‘; oder es „zahlt etwa der Wohlhabende bei einer Preisstaffelung
nach dem Einkommen für dieselbe Ware mehr als der Arme. Manchmal kann
diese verschiedene Kaufstärke im Hinblick auf einen Gegenstand mit einer
verschiedenen Kaufbreite Hand in Hand gehen, wenn z. B. Schwerarbeiter
nicht nur billiger, sondern auch reichlicher Fleisch zubemessen erhalten,
Wir sehen . ., wie die Lehre von Anweisungen auf Dinge aller
Art, die Geldlehre‘ (mit Bezug auf das Geld dürfte das Wort Anweisung
besser vermieden werden; vgl. Mises, Theorie, S. 85), „mit der Lehre von
den Anweisungen auf bestimmte Dinge eng verbunden
werden muß‘ (Neurath, Kriegsw., S. 184/185).