werden, ob die geldlose Wirtschaft, wie sie hier gedacht ist, theore-
tisch möglich ist, ob sie als Wirtschaftsform einen Sinn hat.
Ist sie nämlich schon von vornherein als wirtschaftlich „unsinnig“
erkannt, dann erübrigt sich von selbst jede Erörterung ihrer prak-
tischen Durchführung; ist sie (absolut) „unwirtschaftlich‘, so ist die
Frage, ob sie (relativ) „wirtschaftlicher“ ist als die bestehende Geld-
wirtschaft, keine Frage mehr. Zweitens: die theoretische Möglich-
keit oder Unmöglichkeit der geldlosen Wirtschaft kann in wissen-
schaftlich befriedigender Weise festgestellt werden. Denn für die
Behauptung der absoluten Unmöglichkeit, für die grundsätzliche
Ablehnung gibt es hier nur eine stichhaltige Begründung: daß die
vorgestellte Wirtschaftsform den letzten Grundsätzen widerspreche,
die für das Wirtschaftsleben überhaupt gelten, daß sie den Zweck
der Wirtschaft schlechthin verfehle oder ihre Voraussetzungen
verkenne oder der Grundnorm der Wirtschaftlichkeit, dem „öko-
nomischen Prinzip“, zuwiderlaufe.
Der Neurathsche Entwurf der Großnaturalwirtschaft und
auch die kommunistischen Pläne, soweit sie in dieser Richtung
laufen, weisen solche innere Widersprüche nicht auf; sie sind
also theoretisch annehmbar und daher auch für den Praktiker
diskutabel, trotz der nicht zu verkennenden Schwierigkeiten,
die sich ihrer Verwirklichung in den Weg stellen. Gerade
hierin zeigt sich der wichtigste Unterschied der Pläne der völlig
geldlosen Wirtschaft von den Vorschlägen einer teilweisen Auf-
hebung des Geldes. Die Unterscheidung zwischen theoretischem
Widersinn und bloßen praktischen Schwierigkeiten wird deshalb an
dieser Stelle so stark betont, weil wir es im folgenden ausschließlich
mit Behauptungen und Plänen zu tun haben, die schon theoretisch
unhaltbar und darum von jeder weiteren praktischen Erörterung
auszuschließen sind. Es wird sich nämlich zeigen, daß alle Ver-
suche, das Geld in einzelnen seiner wesenhaften Funktionen zu
beschränken, entweder nur deren historische Erscheinungs-
form ändern oder aber zuletzt wieder auf die völlig geldlose
Wirtschaft im Sinne Neuraths und des Kommunismus hinaus-
laufen; vorausgesetzt, daß die Vorschläge nicht überhaupt ganz
und gar wirtschaftlich widersinnig sind.
Im Einklang mit der Einteilung im ersten Teil der Arbeit
sollen zuerst die bloß gegen die Geldrechnung gerichteten An-
griffe besprochen werden. Diese gehen hauptsächlich von einer
bisher nicht erwähnten sozialistischen Gruppe aus: den Kollek-
tivisten.