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Die Bezeichnungen Sozialismus, Kommunismus, Kollektivismus usw.
ind hier nur so zu verstehen, wie es aus den Ausführungen selbst sich ergibt.
Im wesentlichen ist die Terminologie Tugan-Baranowsk yS zu-
grunde gelegt (S. 1ı3flg.), wogegen z. B. Dietzel {Rodbertus, II, S. 28flg.)
lie Namen in ganz anderem Sinne gebraucht.
Die Kollektivisten unterscheiden sich von den Kommunisten
dadurch, daß sie zwar auch alle nicht der unmittelbaren Bedürfnis-
befriedigung dienenden Güter — Rohstoffe sowohl wie „Schiff
ınd Geschirr“ (Unruh) .— vergesellschaftet wissen wollen, jedoch
„volle Freiheit in der Wahl von Konsumptionsgegenständen und
in der Verfügung über sie in den vom Einkommen jedes Einzelnen
gesetzten Grenzen gewähren“ (Tugan, S. ı22); schon die An-
ziehung des Einkommensbegriffs, der im Kommunismus jeder Art
sinnlos ist, zeigt den tiefgehenden Unterschied der Anschauungen.
Auf der anderen Seite ist durch die gänzliche Aufhebung der
privaten Verfügungsgewalt über die Produktivgüter doch ein
scharfer Trennungsstrich gegen die Konkurrenzwirtschaft des
Kapitalismus gezogen: jede einzelwirtschaftliche Kapitalbildung ist
ausgeschlossen. Leiter der volkswirtschaftlichen Produktion, des
Absatzes und der Verteilung ist allein die Gesellschaft; nur die
Wahl der Genußgüter innerhalb eines festgesetzten Rahmens ist
frei. In dieser Wirtschaftsordnung nimmt das Geld eine eigen-
tümliche Stellung ein. Einerseits ist es nicht mehr das frei ver-
wendbare Umtauschmittel der kapitalistischen Verkehrswirtschaft,
sondern nur noch „ideales Geld“, wie Tugan es nennt; anderer-
seits wieder definiert Tugan den Unterschied von Kollektivismus
ınd Kommunismus gerade dahin, daß jener als Geldwirtschaft,
lieser als Naturalwirtschaft zu denken sei,
In den kommunistischen Systemen, „die nicht das Ein-
<ommen, sondern die unmittelbare Konsumption regeln oder auch der letz-
‚eren freien Lauf lassen, ist das Geld als Mittel der Verteilung gänzlich über-
‘lüssig‘. Dagegen wird in der kollektivistischen Wirtschaft
‚die Verteilung der Produkte unbedingt mit Hilfe des Geldes, wenn auch
nur eines idealen Geldes bewirkt: Jede einzelne Person gibt ihr Einkommen
aus, indem sie in den Grenzen des Wertes, über den sie verfügt, konsumiert;
wozu wiederum ein genauer Vergleich zwischen dem Wert des zu konsumie-
renden Gegenstandes mit dem Gesamtwert des Einkommens der konsumie-
venden Person und die Veräusgabung dieses letzteren Wertes zur Erwerbung
der Konsumptionsgegenstände notwendig ist. Daher müssen die Konsump-
tionsgegenstände in den Systemen dieses Typus einen festen Preis
haben, der Preis aber muß in bestimmten Werteinheiten ausgedrückt werden.
Mit anderen Worten ist in diesen Systemen das Geld als Wertmaß
und Kaufmittel ein notwendiges Werkzeug der Verteilung‘‘ (S.
15/16).