wechselnde Bedürftigkeit maßgebend‘ (Menger, Staatslehre,
S. 95/96).
Wie steht es nun bei dem subjektiven Verteilungssystem
mit dem Geld? Jedem nach seinen Bedürfnissen — das ist auch
die Losung des Kommunismus. Aber die Durchführung ist ver-
schieden: Während im Kommunismus der Versorgungsberechtigte
die Bedarfsgüter frei nehmen oder, soweit sie knapp sind, in natura
zugewiesen erhalten soll, will diese kollektivistische Richtung ebenso
wie der Kapitalismus mit dem Geldsystem arbeiten, ja sogar „die
geschichtlich überlieferten Geldpreise für Sachen und Arbeits-
leistungen mit den durch die veränderten Machtverhältnisse ge-
botenen Änderungen festhalten“ (Menger, Staatslehre, S. 102).
Der einzige Unterschied wird dann darin liegen, daß das Geld
nicht mehr einen „Selbstwert“, sondern nur noch einen „Zeichen-
wert“ hat.
Eine Bestätigung dieser Ansicht finden wir bei Kautsky: „Wird
es denn in der neuen Gesellschaft noch Arbeitslöhne geben? Wollen wir nicht
die Lohnarbeit und das Geld abschaffen? Wie kann man also von Arbeits-
l(öhnen reden? Diese Einwände wären stichhaltig, wenn die soziale Revolution
sofort daran gehen wollte, das Geld abzuschaffen. Das halte ich jedoch für
ınmöglich. ‘Das Geld ist das einfachste bisher bekannte Mittel, welches es
ermöglicht, in einem so komplizierten Mechanismus, wie es die moderne
Produktionsweise mit ihrer ungeheuer weit getriebenen Arbeitsteilung ist,
die Zirkulation der Produkte und ihre Verteilung an die einzelnen Mit-
glieder der Gesellschaft zu vermitteln; es ist das Mittel, welches es
jedem ermöglicht, seine Bedürfnisse nach seinen individuellen Neigungen
(natürlich innerhalb der Grenzen seiner ökonomischen Macht) zu befriedigen,
Als Mittel der Zirkulation wird das Geld, solange nichis Besseres
gefunden, unentbehrlich bleiben‘; indessen ‚wird die Notwendig-
keit beseitigt, daß das Geld Wertmesser und Wert-
gegenstand sei: an die Stelle des Metallgeldes kann irgend ein Geld-
zeichen treten‘ (Revolution, S. 81/83). Und auch Tugan schließt sich im
wesentlichen dem an: „Heute ist das Geld eine Ware, die ihren selbständigen
Wert hat. Im Staate Pecqueurs aber ist das Geld nur ein einfaches
konventionelles Zeichen, ein symbolischer Ausdruck des Wertes. Es ist not-
wendig aus dem Grunde, weil Pecqueur allen Bürgern eine freie Aus-
wahl der zu konsumierenden Produkte gewähren will. Jeder wählt für seinen
Konsum das, was ihm gefällt, — beliebige Produkte in beliebiger Quantität:
Da aber dem Gesamtwert des Konsums jedes einzelnen gewisse Schranken
gesetzt sind, so entspringt daraus die Notwendigkeit, den Wert jedes konsu-
mierten Gegenstandes genau festzustellen; gleichzeitig muß auch der Gesamt-
wert der von jedem Einzelnen konsumierten Produkte festgestellt werden;
würden diese Feststellungen unterbleiben, so könnte die für die Einzelnen
festgesetzte Norm des Einkommens überschritten werden. Daher ist das
Geld in der oder jener Form für jedes kollektivistische System unbedingt
notwendig‘ (S. 108/109).