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Der Gedanke des Arbeitsgeldes erscheint damit bei Schäffle
schon fast aufgegeben; stärker betonen ihn neuestens Lenin und Bu-
zöharin, die wenigstens für die „erste Phase der kommunistischen Gesell-
schaft seiner bedürfen‘ (Staat, Ss. 86).
Eine Umbildung erfährt die Arbeitsgeldtheorie bei Dühring durch
Verquickung mit dem subjektiven Verteilungssystem, Berücksichtigung
des Rechts auf Existenz. Bei ihm muß die Gesellschaft „auch die Einzelnen
in den Stand setzen, die produzierten Artikel von ihr zu kaufen, indem sie
Jedem eine gewisse tägliche, wöchentliche oder monatliche Geldsumme, die
iür Jeden gleich zu sein hat, als Gegenleistung für seine Arbeit
auszahlt‘ (Engels, S. 324).
Ähnlich soll nach Weitlin gs Vorschlägen „die Gesellschaft
verpflichtet sein, jedem Mitglied die notwendigen und die nütz-
iIchen Produkte oder Dienstleistungen zu liefern, wogegen dieses zu einer
zewissen Zeitarbeit (6 Stunden täglich) verpflichtet ist .. . Sodann aber hat
jedes Mitglied überdies noch das Recht, weitere Arbeitstunden (Kommerz-
stunden) zu leisten, um sich dadurch auch die bloß angenehmen Pro-
dukte oder Dienstleistungen zu verschaffen. Der Preis dieser letzteren soll
.n Arbeitsstunden bestimmt und diese gegen die Kommerzstunden aus-
getauscht werden“ (Menger, Recht, S, 163; Diehl, Proudhon, II, S. 246/247;
vgl. auch unten 7. Kapitel).
Von Eifertz wird das Arbeitsgeld zum „Arbeitsboden-
yeld’ ausgestaltet: ‚Die Güter werden nicht zu einem Arbeitspreise ver-
zauft, sondern zu einem Arbeits- und einem Bodenpreise, und die Menschen
werden für ihre Arbeit nicht in Arbeitsgeld, sondern in Arbeits- und Boden-
geld entlohnt ... Es ist unbedingt nötig, daß auch der in den Gütern steckende
Boden proportional der geleisteten Arbeit verteilt werde, Es wird ein Normal-
arbeitstag von etwa acht Stunden festgesetzt. Wer acht Stunden gearbeitet,
erwirbt den Anspruch auf Güter, die acht Stunden Arbeit und ein bestimmtes
derechnetes Quantum Boden, und zwar den Volksboden dividiert durch die
Bevölkerung, die absolute Bodeneinheit B : A enthalten . .. Der Lohn wird
ıicht in Scheinen ausbezahlt, die auf Arbeit lauten, sondern in solchen,
die auf Arbeit, und solchen, dieauf Boden... Es gibt auch
2er Geld, und zwar Papiergeld, Es gibt aber hier nicht eine Arbeitswährung,
sondern eine Doppelwährung, eine Arbeits- und eine Bodenwährung.
50owohl Lohn- wie Güterpreise werden in Arbeits- und Bodengeld bezahlt.
Man wird aber nicht Arbeit in Boden umrechnen können wie Gold in Silber;
ieder Teil des Lohnes und des Preises wird in seiner eigenen Währung
dezahlt werden müssen‘‘ (III, S. 19).
Endlich unterscheidet Hacks, an Effertz anknüpfend, „N ah-
rungsmittelgeldund Kulturmittelgeld“: ‚, Jeder bekommt
für die von ihm geleistete Arbeit zunächst einen angemessenen Betrag von
Kulturmittelgeld. Das entsprechende Nahrungsmittelgeld bekommt er
gewissermaßen umsonst dazu. Aber er bekommt es nur dann, wenn er die vor-
geschriebene Anzahl von Stunden gearbeitet hat. Wer weniger arbeitet, be-
Kommt sowohl an Kulturmittel- als an Nahrungsmittelgeld weniger‘ (S. 21).
Für die zuletzt erwähnten Arbeitsgeld- bezw. Doppelgeldtheorien gelten
dieselben Einwände, die gegen die Arbeitsgeldtheorie überhaupt gemacht
werden, in verschärftem Maße. Denn hier entsteht ia das Bedürfnis nach einer