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mit seiner Arbeitsminute nicht mehr kaufen kann als Ihr mit der Eurigen,
Und da die Stunde keinen Maßstab angibt, da in der einen Manufaktur ein
Arbeiter 6 Webstühle zugleich bedienen kann, während er in der anderen
Fabrik nur deren 2 überwachen kann, so werdet Ihr die Muskelkraft, die
Gehirn- und Nervenenergie, die Ihr verbraucht habt, zu bestimmen ver-
suchen. Ihr werdet genau die Lehrjahre usw. in Anschlag bringen, um den
Anteil eines Jeden an dem zukünftigen Produkt nur ja genau bestimmen
zu können. Und alles dieses, nachdem Ihr erklärt habt, daß Ihr nicht den
Anteil in Rechnung stellt, welchen in der Produktion die Vergangenheit
genommen hat‘ (ebenda, S. 128).
Schließlich bleiben selbst dann noch die „unberechenbaren Dienste‘‘
ganz außer Betracht: „Die Gesellschaften würden in 50 Jahren verschwun-
den sein, wenn nicht Jeder unendlich viel mehr gäbe, als wofür er mit Geld
entschädigt würde oder ihm in Arbeitsbons und irgendwelchen anderen bür-
zerlichen Belohnungen geboten werden könnte, Es hieße die Ausrottung
der Menschheit, wenn . . jeder Mensch nicht manches gäbe, ohne zu
rechnen, wenn der Mensch besonders nicht da gäbe. wo er auf keine
Entschädigung rechnet‘ (ebenda, S. 135).
Wie ungeheuer kompliziert gestaltet sich also die angeblich
so einfache Arbeitsgeldrechnung, wenn man die weitgehende art-
und mengenmäßige Differenzierung des natürlichen und ge-
sellschaftlichen Lebens so berücksichtigen will, wie dies die Auf-
rechterhaltung der Gesellschaftswirtschaft — von der Gerechtig-
keitsforderung sei hier sogar abgesehen! — unausweichlich fordert,
Man bedenke: Im Marktverkehr besagt die Währung nichts als
das staatlich festgesetzte und gesicherte Verhältnis der Rechnungs-
einheit zu einer unveränderlich bestimmten Gewichtsmenge eines
chemisch einheitlichen und gleichartigen Stoffes. Und dieses kaum
veränderliche Verhältnis ist seinerseits nur eine verkehrstechnische
Hilfe bei der ihrem Wesen nach durch ganz andere Gründe be-
stimmten Preisgestaltung. Das Arbeitsgeldmaß soll dagegen
nicht nur Währungseinheit, nicht nur Rechnungsgrundlage
sein, sondern das ganze Verhältnis der gesellschaftlichen Produk-
tion und Konsumption, die gesamte Güterverteilung soll mittels
fester Taxen auf diese Einheit als Wer tmaßstab gegründet werden.
Welcher Differenzierungen müßte diese Wertnorm fähig sein! So
viele Dinge „stoßen sich hart im Raum“, welche hier in Frage
kommen, daß es sich schon verlohnt, eine kleine systematische
Übersicht darüber zu geben: Wenn die „Normalwerkstunde“
das leisten soll, was nach dem eben Gesagten von ihr verlangt
wird. so muß sie
A. zunächst folgenden Differenzierungen des „A rbeits-
wertes“ als solchen Rechnung tragen. Da ist