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$ 2. Die Landwirtschaft.
Für die niederländische Landwirtschaft
bedeutete die Mitte des 16. Jahrhunderts den
Beginn einer neuen Epoche Die politische
Befreiung, die Reformation, die Auflösung der geist-
lichen Stifter, die außergewöhnliche Entwicklung
des Handels; der Schiffahrt, des Gewerbes,
der ‘zunehmende Einfluß der Städte: Alles
dieses leitete Landwirtschaft und Landwirte
in eine neue Eahn:
In einem Punkte freilich blieb es zunächst bei dem alten
Zustand. Das Hauptgewicht des Landes in ma-
terjeller und politischer Bezichung lag ım
Westen, an der Küste, in den Seestädten und
den großen Industriezentren" Sie brachten die
meisten Steuern ein, sie waren wirtschaftlich das weitaus wichtigste
Gebiet; im platten Lande spürte man, je weiter
es sich nach Osten erstreckte. um so weniger
von dem Gange der Wirtschaft des Westens
Das war aber keineswegs gleichbedeutend mit Verfall oder gar
Elend und traurigen Zuständen. Den Bauern in Friesland, Gro-
ningen usw. ging es nicht schlecht; ihre Produktion war reichlich
und bot gute Überschüsse; Butter, Käse, Getreide wurden in nicht
geringen Mengen ausgeführt!). Auch suchte die Obrigkeit den
Steuerdruck, der früher einseitig die Bauern belastete, jetzt mehr
zu verteilen; schon die Regierung Karls V. hat mehrfach ver-
ständige Reformen dieser Art eingeführt”).
Nur langsam faßte auf dem platten Lande die Refor-
mation Fuß; sie war im wesentlichen ein Werk der Städte
und drang erst allmählich infolge der Bemühungen der Synoden
auch auf dem Lande durch. Zunächst schien weder ein religiöses
noch ein materielles Bedürfnis den Bauern die kirchliche Um-
wälzung zu empfehlen; an der Saekularisation der Kirchengüter
hatten sie viel weniger Interesse als die Städte. Immerhin ver-
ursachte die Saekularisation der Kloster- und Stiftsgüter
3 Blink, Geschiedenis, IT, ı If.
2) Blink, Geschiedenis; I, 249.
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