1394 VIL Abihnitt: Einzelne Schuldverhältnifie.
von der Berblirgung mehrerer Perjonen für diejelbe Verbindlichleit. Die 88 774, 775 regeln
die Anfprüche des Bürgen gegen den Hauptihuldner, die SS 776, 777 die Befreiung des
Bürgen durg Verfügungen des Gläubiger3 und BZeitablauf, S 778 den jog. Kreditauftrag.
2, Begriff nnd rechtliche Natur:
a) BürgihHaftSvertrag {ft der Vertrag, durd den jemand (der Bürge)
gegenüber bem Gläubiger eines Dritten (des HauptjOukdner8) {iO
verpflichtet, für die Erfüllung der Verbindlichkeit des Dritten
ginzuftehen (8 765 und Bem. Hiezu; f. au Urt. d. DLS. Karlsruhe vom
9. Dezember 1905 Ripr. d. OLG. Bd. 12 S. 98).
Die Mitwirkung des HauptjHuldner8 ift zum Abihluß eine Bürg-
Ichaft8vertragS nicht erforderlidh; die Blürgichaft kann vhne Wifen und fogar
gegen den Willen des Haupifhuldner8 übernommen werden (Cojad I 8 158
HI, 1, b, land Bem. 2 8 765, Ftiher-Henle Borbem., |. aud Urt. d. Reidh8ger.
bom 14, Juni 1909 NGE. Bd. 71 S. 220). Der Vertrag, durch den fihH jemand
dem Schuldner gegenüber verpflichtet, für die Erfüllung einer Ber
Sindlichteit besfelben einftehen zu wollen, {ft fein BürgihaftSvertrag (Urt, d.
Neichsger, vom 18. Februar 1904 Jur. Wichr. 1904 S. 196 #.; |]. aber 8 328;
val. Bem. 2 zu S 765). Ueber den Fall, dak die Bürgidhaft im Auftrage des
Hauptidhuldners übernommen worden ift, f; $ 775.
Die Nebernahme der Bürgihaft kann unentgeltlich oder gegen Entgelt
folgen (ebenio Crome 8 295 Biff, 5 und nunmehr au Fijdher-Henle Borbem. ;
vgl. SS 775, 662, 675). Neber Schenkung dur Bürgihaftsübernahme f. Bent. 4
zu 8 517.
I) Der Bürgihaftavertrag begründet begrifsmäßtg eine Berbindlichteit nur auf
Seite des Bürgen (M. II, 678; Urt. d. OLG. Hamburg vom 2. Oktober 1905
Ripr. d. OLG. Bd. 12 S. 98 ff.) ft alfo ein unvolliommen zmweifeitiger
Bertrag ({. Bem. 1 zu S 320; vgl. CEofad I $ 158, IV, Urt. d. Reihäger.
vom 29. Dezember 1906 RGE. Bd. 65 S. 48, RNOGE. Bd. 18 S. 238). Der
Siäubiger ijt daher dem Bürgen gegenüber zur NuskunftZerteilung über die
jeweifige Höhe der Schuld nicht verpflichtet (Urt. d. OLG, Rafiel dom 17, Des
jember 1908 Recht 1909 N. 257). Doch kann der Bürgidhaftsvertrag au al3
gegenfjeitiger Bertrag im Sinne der 88 320 ff. abge[hloffen werden
(ebenjo Urt. d. OLG, Dresden vom 22, Mat 1902 Recht 1903 S. 78) fowie
Beftandteil eine gegenfeitigen Vertrag {fein (Urt. d. ReichSger. dom 28. Of-
‚ober 1907 RGE. Bd. 66 S. 426 und vom 1. Fuli 1909 Bayr. 3. f. R. 1909
3, 472).
Ueber die akzefforifhe Natur der Bürgfhaft |. Bem. 6 zu S 765.
e) Die Bürgihaft Kann au bedingt übernommen werden, 3. B. für den Fal,
baß der Gläubiger dem Hauptjhuldner noch weiteren Kredit gibt (Schollmeyer
S, 171). Ueber die Bürgfdhaft für eine bedingte Schuld f. Bem. 6, a, ß
zu 8 765. Sit im Bürgichaftsbertrag eine Beitimmung über {pätere Fälligkeit
anthalten, {o {teht der Bürge erft mit diejem Beitpunkt ein (Urt. d, OLG.
Breslan vom 12. November 1908 Recht 1904 S. 77).
HinfihtliH der NidHtigkett und AnfegHtharkeit de BürgihHaftSvertrags
entiqeiden die allgemeinen Grundjäße; demgemäß bemißt fi inSbefondere nach
& 119 die Frage, ob die Blrgihaftsübernahme wegen Srrtums8 über die Vers
mögen3verhältnijje des Haubtjhuldner8 angefochten werden Tann (bal. Bem. 8
zu 8 765). Dinfidhtlig eines Jrrtums Über die Berjon des Hauptjhuldners
j. Urt. d. DLG. Stuttgart vom 26. März 1907 Ripr. d. OLG. Bd. 18 S. 38 ff.
Die Bürgihaft kann auch, weil gegen die guten Sitten verftoßend, gemäß
8 138 ni®tig fein; über Berblürgung für eine aus einer Unterfhlagung ent-
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