Full text: Die Kaufkraft des Geldes

96 
VII. Kapitel. 
ersten Falle ist es klar, daß das Silber, wie in Figur 6b veranschaulicht, in 
welcher sich der Film von der äußersten Rechten zur äußersten Linken 
fortbewegt hat, das Gold gänzlich aus der Zirkulation fegt. Der Inhalt 
des Silbers im Barrenreservoir ist geringer als vorher und der Inhalt des 
Goldes im Barrenreservoir größer als zuvor. 
Diese Wiederverteilung ist jedoch nur die erste Wirkung der Zulassung 
des Silbers zu den Münzstätten. Das Gleichgewicht zwischenProduktion und 
Konsumtion ist für Gold wie auch für Silber gestört worden. Einerseits 
hat der erhöhte Wert des Silbers (das erniedrigte Niveau in 8 b ) die Pro 
duktion angespornt, indem Silberminen (die ungedeckten Zuflüsse zur 
Rechten) in Betrieb gebracht wurden; anderseits hat der herabgesetzte 
Wert des Goldes (das erhöhte Niveau in G b ) die Goldproduktion entmutigt 
und die Goldminen (die gedeckten Zuflüsse zur Linken) stillgelegt. Gleiche 
Änderungen werden in den Abflüssen, d. h. im Verbrauch, Abgang und in 
der Absorption eines jeden Metalls bewirkt. 
Das Ergebnis ist, daß die von der ersten Wiederverteilung herrührenden 
Niveaus nicht unbedingt dauernde sind. Sie können auf ihre entsprechenden 
ursprünglichen Niveaus zurückgehen, und sie werden es unter allen normalen 
Verhältnissen auch tun. Auf jeden Fall aber — und auf diesen Punkt muß 
Nachdruck gelegt werden — können sie nicht gänzlich auf diese Niveaus 
zurückkehren. Eine solche Annahme würde unhaltbar sein, wie die folgende 
Beweisführung zeigt: Nehmen wir für den Augenblick an, daß das Silber 
auf sein ursprüngliches Niveau zurückkehrt. Dann würde der Silberzufluß 
(Produktion) auch auf seine ursprüngliche Rate, die von dem Silberniveau 
abhängt, zurückgehen, dagegen würde der Abfluß des Silbers (Verbrauch, 
Abgang usw.) größer als der ursprüngliche sein. Der Verbrauch im Gewerbe 
würde der gleiche bleiben; der Verschleiß und die Absorption des Silbergeldes 
bilden jedoch eine weitere Ableitung. Folglich wird nun die Konsumtion 
(vorher der Produktion gleich) die Produktion übersteigen und das ursprüng 
liche hohe Niveau kann nicht beibehalten werden. Die Schlußfolgerung ist: 
Das neue Niveau des permanenten Gleichgewichtes, wo es auch sein mag, 
liegt unter dem früheren. Dasselbe Argument, mutatis mutandis, beweist, 
daß das neue permanente Gleichgewichtsniveau für Gold über dem früheren 
liegt. Der Abstand zwischen den beiden ursprünglichen Niveaus ist dem 
nach geringer geworden. Selbst wenn der Bimetallismus eine gleichzeitige 
Zirkulation beider Metalle und eine Wertparität zu dem gegebenen Münz 
verhältnis nicht herbeiführen könnte, so hat er doch die Herabsetzung des 
Wertes des teureren Metalls (Gold) und die Erhöhung des Wertes des billigeren 
(Silber) zur Folge gehabt. Wir kommen auf dieses Resultat einer gegen-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.