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VII. Kapitel.
ersten Falle ist es klar, daß das Silber, wie in Figur 6b veranschaulicht, in
welcher sich der Film von der äußersten Rechten zur äußersten Linken
fortbewegt hat, das Gold gänzlich aus der Zirkulation fegt. Der Inhalt
des Silbers im Barrenreservoir ist geringer als vorher und der Inhalt des
Goldes im Barrenreservoir größer als zuvor.
Diese Wiederverteilung ist jedoch nur die erste Wirkung der Zulassung
des Silbers zu den Münzstätten. Das Gleichgewicht zwischenProduktion und
Konsumtion ist für Gold wie auch für Silber gestört worden. Einerseits
hat der erhöhte Wert des Silbers (das erniedrigte Niveau in 8 b ) die Pro
duktion angespornt, indem Silberminen (die ungedeckten Zuflüsse zur
Rechten) in Betrieb gebracht wurden; anderseits hat der herabgesetzte
Wert des Goldes (das erhöhte Niveau in G b ) die Goldproduktion entmutigt
und die Goldminen (die gedeckten Zuflüsse zur Linken) stillgelegt. Gleiche
Änderungen werden in den Abflüssen, d. h. im Verbrauch, Abgang und in
der Absorption eines jeden Metalls bewirkt.
Das Ergebnis ist, daß die von der ersten Wiederverteilung herrührenden
Niveaus nicht unbedingt dauernde sind. Sie können auf ihre entsprechenden
ursprünglichen Niveaus zurückgehen, und sie werden es unter allen normalen
Verhältnissen auch tun. Auf jeden Fall aber — und auf diesen Punkt muß
Nachdruck gelegt werden — können sie nicht gänzlich auf diese Niveaus
zurückkehren. Eine solche Annahme würde unhaltbar sein, wie die folgende
Beweisführung zeigt: Nehmen wir für den Augenblick an, daß das Silber
auf sein ursprüngliches Niveau zurückkehrt. Dann würde der Silberzufluß
(Produktion) auch auf seine ursprüngliche Rate, die von dem Silberniveau
abhängt, zurückgehen, dagegen würde der Abfluß des Silbers (Verbrauch,
Abgang usw.) größer als der ursprüngliche sein. Der Verbrauch im Gewerbe
würde der gleiche bleiben; der Verschleiß und die Absorption des Silbergeldes
bilden jedoch eine weitere Ableitung. Folglich wird nun die Konsumtion
(vorher der Produktion gleich) die Produktion übersteigen und das ursprüng
liche hohe Niveau kann nicht beibehalten werden. Die Schlußfolgerung ist:
Das neue Niveau des permanenten Gleichgewichtes, wo es auch sein mag,
liegt unter dem früheren. Dasselbe Argument, mutatis mutandis, beweist,
daß das neue permanente Gleichgewichtsniveau für Gold über dem früheren
liegt. Der Abstand zwischen den beiden ursprünglichen Niveaus ist dem
nach geringer geworden. Selbst wenn der Bimetallismus eine gleichzeitige
Zirkulation beider Metalle und eine Wertparität zu dem gegebenen Münz
verhältnis nicht herbeiführen könnte, so hat er doch die Herabsetzung des
Wertes des teureren Metalls (Gold) und die Erhöhung des Wertes des billigeren
(Silber) zur Folge gehabt. Wir kommen auf dieses Resultat einer gegen-