106
VII. Kapitel.
wohnlich nicht bewußt und beobachtete nur den Übergang vom relativen
Vorherrschen des Goldes zu dem relativen Vorherrschen des Silbers im Um
laufe und vice versa. Auf dem Engros-Barrenmarkte gab es allerdings
geringe Abweichungen von dem Verhältnis 15% zu 1. Doch lieferten solche
Abweichungen nur den Anlaß zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes.
Von 1803 bis ungefähr 1850 hatte das Silber die Tendenz, das Gold zu
verdrängen. In unsrer schaubildlichen Ausdrucksweise gab es größtenteils
einen Zufluß auf der rechten Seite des Geldreservoirs und der Film wurde
allmählich nach links gedrückt. Eine spezielle Statistik der Gold- und
Silberbewegungen vor dem Jahre 1830 gibt es nicht, doch gab es von 1830
bis einschließlich 1847 einen Nettoexport in Gold im Betrage von 73,000,000
Francs, obgleich fünf der Jahre einen Import aufwiesen, was einen Durch
schnittsexport von über 4,000,000 Francs pro Jahr ergibt 1 ). Von 1830
bis 1851 war in jedem Jahre ein Nettoimport in Silber zu verzeichnen,
welcher sich während der Periode auf insgesamt 2,297,000,000 Francs oder
einen Durchschnitt von über 104,000,000 Francs pro Jahr belief 1 2 ). Die
Statistiken für das Silber betrachten wir bis zum Jahre 1851, denn nach dieser
Zeit trat für das Silber die umgekehrte Bewegung ein, während das Einfließen
des Goldes mit dem Jahre 1848 begann. Das Silber nahm die Stelle des
Goldes ein und füllte das Umlaufsmittelreservoir aus. Nichtsdestoweniger
dehnte sich das Reservoir so schnell aus, das heißt, der Handel nahm so sehr
zu, daß es kein Steigen, sondern eher ein Fallen der Preise gab. Um das Jahr
1850 hatte der Film tatsächlich seinen Grenzpunkt erreicht. Es würde ein
Zusammenbruch des Bimetallismus erfolgt sein, und das Resultat wäre auf
der Stelle Silber-Monometallismus gewesen, wenn nicht zur Rettung der
Situation gerade zu dieser Zeit in Californien Goldminen entdeckt worden
wären. Die Folge davon war, daß die neue und erhöhte Goldproduktion
die umgekehrte Bewegung veranlaßte, nämlich einen Zufluß von Gold in
den französischen Geldumlauf und ein Abfließen des Silbers. Von 1848 bis
einschließlich 1870 belief sich der Nettoimport in Gold auf 5,153,000,000
Francs oder über 224,000,000 Francs pro Jahr, während der Nettoexport
des Silbers vom Jahre 1852 bis einschließlich 1864 1,726,000,000 Francs
oder nahezu 133,000,000 Francs pro Jahr betrug 3 ). Das Gold verdrängte
das Silber und füllte den Geldumlauf. Es schien wahrscheinlich, daß Frank
1 ) W. A. Shaw, The History of the Currency, 3. Aufl., London (Clement Wilson),
1899, S. 183.
s ) a. a. O. S. 184.
3 ) a. a. O. S. 183 u. 184.